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Türkischer Wein: Rebsorten, Weinregionen und Weingüter von Thrakien bis Kappadokien

Illustration türkischer Wein: Rotwein- und Weißweinglas mit Weintrauben vor Weinbergterrassen im Abendlicht

Kurz & bündig

Türkischer Wein stammt aus Anatolien, das zusammen mit dem Südkaukasus zu den Regionen gehört, in denen die Weinrebe vor rund 11.000 Jahren domestiziert wurde, und die Türkei hat heute mit rund 372.000 Hektar eine der größten Rebflächen der Welt. Nur ein kleiner Teil der Trauben wird allerdings zu Wein; der Großteil wird als Tafeltraube gegessen oder zu Rosinen getrocknet. Die wichtigsten Weinregionen sind Thrakien am Marmarameer, die Ägäis mit Urla und Bozcaada, Kappadokien sowie Elazığ und Diyarbakır im Osten. Typisch sind autochthone Rebsorten wie Öküzgözü, Boğazkere, Kalecik Karası, Narince und Emir. Alkohol ist in der Türkei hoch besteuert, Werbung ist verboten, und Geschäfte dürfen zwischen 22 und 6 Uhr keinen Alkohol verkaufen.

Zuletzt aktualisiert:

Rebfläche
ca. 3,7 Mio. Dekar (rund 372.000 ha), Stand 2023/24 laut Agrarministerium
Weinproduktion
rund 82 Mio. Liter pro Jahr, knapp 180 Weinbaubetriebe (Cabaroğlu 2023)
Wichtige Rebsorten
Öküzgözü, Boğazkere, Kalecik Karası (rot); Emir, Narince, Bornova Misketi (weiß)
Weinregionen
Thrakien, Ägäis mit Urla und Bozcaada, Kappadokien, Elazığ und Diyarbakır
Beste Zeit für Weinreisen
April bis Anfang Oktober; Weinlese meist September
Mitnahme nach Deutschland
zollfrei 4 l Wein und 1 l Spirituosen über 22 % (ab 17 Jahren)

Ist Anatolien eine Ursprungsregion des Weins?

Ja, Anatolien gehört zu den Regionen, in denen der Weinbau begonnen hat. Eine große genetische Studie, die 2023 in der Fachzeitschrift Science erschien, kommt zu dem Ergebnis, dass die Weinrebe vor rund 11.000 Jahren zweimal unabhängig voneinander domestiziert wurde: im Südkaukasus und in Westasien beziehungsweise im Nahen Osten. Die westasiatische Linie, zu der der Südosten der heutigen Türkei gehört, setzte sich dabei für den frühen Weinbau durch.

Für Weinliebhaber ist die Unterscheidung zwischen Rebe und Wein wichtig. Die bislang ältesten chemisch nachgewiesenen Weinreste stammen nicht aus der Türkei, sondern aus Georgien: Tonkrüge aus zwei jungsteinzeitlichen Dörfern südlich von Tiflis enthielten Spuren von Weinsäure und werden auf etwa 6000 v. Chr. datiert. Gefäße aus Göbekli Tepe im Südosten der Türkei, rund 9500 v. Chr. alt, werden noch untersucht; belastbare Ergebnisse zu Wein gibt es dort bislang nicht. Korrekt ist also: Anatolien und der Kaukasus bilden gemeinsam den ältesten Weinbauraum der Welt.

Hethiter, Griechen und Osmanen

Im 2. Jahrtausend v. Chr. regelten die Gesetze der Hethiter in Zentralanatolien Strafen für die Beschädigung von Weinbergen, und Ritualtexte beschreiben Weinopfer an die Götter. An der Ägäisküste, im antiken Lydien und Ionien, war Wein eng mit dem Kult des Dionysos verbunden; anatolischer Wein wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. bis nach Massalia, das heutige Marseille, gehandelt. Bei Teos südlich von Urla stehen bis heute die Reste eines Dionysos-Tempels.

Im Osmanischen Reich lag die gewerbliche Weinherstellung fast vollständig in den Händen nichtmuslimischer Gemeinschaften: griechisch-orthodoxer Rum, Armenier, Syrer und Juden. Smyrna, das heutige Izmir, war im 17. Jahrhundert ein wichtiger Exporthafen für Wein. Nach der Gründung der Republik förderte der Staat den Weinbau, 1925 ordnete Atatürk eine staatliche Kellerei in Tekirdağ an. Das Staatsmonopol Tekel beherrschte den Markt über Jahrzehnte, daneben entstanden mit Doluca (1926) und Kavaklıdere (1929) zwei der bis heute größten privaten Kellereien. Die Weinsparte von Tekel wurde 2004 privatisiert, danach gründeten sich zahlreiche kleine Weingüter.

Wie groß ist der Weinbau in der Türkei?

Die Türkei hat eine der größten Rebflächen der Welt, aber nur einen kleinen Weinsektor. Laut dem Marktbericht des türkischen Landwirtschaftsministeriums (Grundlage: Statistikamt TÜİK) standen 2023/24 auf rund 3,7 Millionen Dekar, also etwa 372.000 Hektar, Reben. Geerntet wurden rund 3,4 Millionen Tonnen Trauben; 2019/20 waren es noch 4,1 Millionen Tonnen auf 4,0 Millionen Dekar. Die Fläche schrumpft also deutlich.

Die meisten Trauben werden nicht zu Wein. Nach Angaben der britischen Weinkritikerin Jancis Robinson gehen nur etwa 3 Prozent der Ernte in die Weinbereitung, der Rest wird als Tafeltraube verkauft, zu Rosinen getrocknet oder zu Rakı destilliert. Die Türkei ist einer der größten Rosinenproduzenten der Welt; die mit Abstand größte Anbauprovinz ist Manisa östlich von Izmir mit knapp einem Drittel der Traubenernte.

Ein Fachbeitrag des Önologen Turgut Cabaroğlu von der Universität Çukurova beziffert die jährliche Weinproduktion auf rund 82 Millionen Liter, verteilt auf knapp 180 Betriebe, die ihre Kapazität nur zu etwa der Hälfte auslasten. Der Pro-Kopf-Konsum liegt bei unter einem Liter im Jahr. Gründe sind die religiös geprägte Zurückhaltung vieler Menschen, die hohe Besteuerung und die Tatsache, dass Rakı und Bier traditionell beliebter sind.

Welche autochthonen Rebsorten gibt es in der Türkei?

In der Türkei gibt es mehrere hundert eigenständige Rebsorten, von denen aber weniger als sechzig kommerziell zu Wein verarbeitet werden. Die nationale Rebsammlung in Tekirdağ umfasst mindestens 854 Sorten. Für Besucher lohnt es sich, gezielt nach Weinen aus heimischen Sorten zu fragen, denn genau sie unterscheiden türkischen Wein von Merlot oder Cabernet Sauvignon, die es ebenfalls überall gibt.

Rebsorte Farbe Hauptregion Geschmack und Stil
Öküzgözü rot Elazığ (Ostanatolien) frische Säure, rote Frucht, mittlere, weiche Gerbstoffe
Boğazkere rot Diyarbakır (Südostanatolien) tiefdunkel, sehr gerbstoffreich, kräftig und trocken
Kalecik Karası rot Kalecik bei Ankara leicht bis mittelkräftig, Beerenfrucht, florale Noten, oft mit Pinot Noir verglichen
Papazkarası rot Thrakien aromatisch, rote Pflaume und Pfeffer
Çalkarası rot Çal bei Denizli vor allem als Rosé ausgebaut
Karasakız (Kuntra) rot Bozcaada leichte Rotweine und Roséweine
Urla Karası rot Urla bei Izmir fast ausgestorben, seit den 2000er-Jahren wieder angepflanzt
Emir weiß Kappadokien (Nevşehir) hohe Säure, mineralisch, auch für Schaumwein
Narince weiß Tokat (Schwarzmeer-Hinterland) verträgt Holzfass, unbeholzt frisch oder im Barrique ausgebaut
Sultaniye weiß Ägäis Tafeltraube, Rosine und Basis leichter Weißweine
Bornova Misketi weiß Izmir Muskateller-Spielart, trocken, halbtrocken oder süß
Vasilaki weiß Bozcaada früh reifend, meist trockener sortenreiner Weißwein

Nach der Erntestatistik des Branchenverbands Wines of Turkey liegt bei den heimischen Weintrauben Sultaniye vorn (rund 14.000 Tonnen), gefolgt von Öküzgözü (rund 11.800 Tonnen), Boğazkere (8.850), Kalecik Karası (6.885), Narince (6.150) und Emir (5.500).

Öküzgözü und Boğazkere: das klassische Paar

Öküzgözü bedeutet „Ochsenauge“. Der Name bezieht sich nicht auf die Größe der Beeren, sondern auf ihre dunkle, bläulich-schwarze Farbe. Boğazkere lässt sich mit „Halskratzer“ übersetzen und beschreibt die sehr dichten Tannine. In Elazığ werden beide Sorten seit Jahrzehnten zusammen verschnitten: Die heute zu Diageo gehörende Kellerei in Elazığ, 1944 als Tekel-Weinfabrik gegründet, keltert einen Verschnitt aus etwa 70 Prozent Öküzgözü und 30 Prozent Boğazkere. Öküzgözü bringt Frucht und Säure, Boğazkere Struktur und Farbe.

Welche Weinregionen gibt es in der Türkei?

Die wichtigsten Weinregionen sind Thrakien und die Marmaraküste im Nordwesten, die Ägäis mit Urla, Çeşme, Denizli und der Insel Bozcaada, Kappadokien in Zentralanatolien sowie Ost- und Südostanatolien mit Elazığ und Diyarbakır. Thrakien und die Ägäis erzeugen zusammen den größten Teil des türkischen Weins. Das türkische Kultur- und Tourismusministerium bewirbt vier ausgeschilderte Weinrouten: die Thrakische Weinroute, die Route von Urla, die Route von Bozcaada und die Anatolische Weinroute von Zentralanatolien bis in den Südosten.

Thrakien: Tekirdağ, Şarköy und Kırklareli

Thrakien, der europäische Teil der Türkei zwischen Istanbul und der griechisch-bulgarischen Grenze, liefert etwa 30 bis 40 Prozent des türkischen Weins. Das maritime Klima am Marmarameer bringt ausgewogene, frische Weine hervor. Die Thrakische Weinroute (Trakya Bağ Rotası) reicht von Edirne bis zur Halbinsel Gelibolu und hat ihre Schwerpunkte in Kırklareli, Tekirdağ, Şarköy und Gelibolu. Kırklareli ist eines der wenigen Zentren, in denen die alte Sorte Sauvignon Gris angebaut wird.

Neben internationalen Sorten stehen hier die thrakischen Rebsorten Papazkarası und Yapıncak im Vordergrund. Zu den Betrieben der Region gehören etwa Barbare in Tekirdağ, Saranta in Kırklareli sowie Chateau Kalpak und Suvla auf der Halbinsel Gelibolu beziehungsweise bei Eceabat. Für Reisende aus Istanbul ist Thrakien die nächstgelegene Weinregion und auch als langer Tagesausflug machbar.

Ägäis: Urla, Çeşme und Denizli

Die Ägäis ist nach Volumen die größte Weinregion des Landes. Der bekannteste Ort für Weinreisende ist Urla, weniger als eine Autostunde westlich von Izmir. Dort schlossen sich 2016 sieben Weingüter, darunter Urlice und USCA, zur Weinroute Urla Bağ Yolu zusammen. Laut Kultur- und Tourismusministerium blickt Urla auf rund 6.000 Jahre Weinbau zurück. In Bağlararası, einer bronzezeitlichen Siedlung im heutigen Çeşme, wurden Funde aus der Zeit vor 1700 v. Chr. gemacht, die mit Weinbau in Verbindung stehen.

In Urla werden neben internationalen Sorten wie Cabernet Sauvignon, Syrah, Nero d’Avola und Sangiovese vor allem Bornova Misketi, Sultaniye und die wiederbelebten Lokalsorten Urla Karası, Foça Karası und Gaydura angebaut. Die Gegend hat sich zu einem Ziel für Feinschmecker entwickelt, mit Restaurants zwischen den Rebzeilen und kleinen Hotels. Jedes Jahr findet in Urla ein Weinlesefest mit traditionellem Traubentreten statt. Ohne Auto oder Fahrer ist Urla allerdings schwer zu erkunden, die Weingüter liegen verstreut im Hügelland.

Im Landesinneren der Provinz Denizli, zu der auch Pamukkale gehört, liegt das Hochplateau von Çal, Heimat der Rebsorte Çalkarası, die vor allem für Rosé verwendet wird. Denizli gehört nach Rebfläche zu den drei größten Traubenprovinzen der Türkei, der Weintourismus ist dort aber kaum erschlossen.

Bozcaada: die Weininsel in der nördlichen Ägäis

Bozcaada, das antike Tenedos, ist mit knapp 40 Quadratkilometern die drittgrößte Insel der Türkei und seit der Antike ein Weinort. Mitte des 19. Jahrhunderts soll die Insel jährlich 800.000 Fässer Wein exportiert haben. Bis 1923 kelterte ausschließlich die griechische Bevölkerung; danach gaben griechische Winzer ihr Wissen an türkische Bewohner weiter. Heute werden auf der Insel die heimischen Sorten Karasakız (Kuntra), Karalahna, Vasilaki und Çavuş angebaut, die Weinroute umfasst sechs Weinbaubetriebe.

Die Autofähre ab dem Hafen Geyikli in der Provinz Çanakkale braucht rund 35 Minuten, im Winter fährt sie seltener. In der ersten Septemberwoche feiert die Insel ihr mehrtägiges Weinlesefest. Bozcaada lässt sich gut mit Troja und Assos verbinden, etwa auf unserer Reise Westküste mit Ephesus und Troja. Im Juli und August ist die kleine Insel allerdings sehr voll, Unterkünfte sind dann früh ausgebucht.

Kappadokien: Emir auf Vulkanboden

Kappadokien ist die bekannteste Weinregion im Landesinneren. Die Reben stehen auf rund 800 bis 1.200 Metern Höhe auf vulkanischen Böden aus Tuff, Sand und Kalk; das kontinentale Klima bringt heiße Sommer, kalte Winter und Spätfrostgefahr. Die typische Sorte ist der weiße Emir mit lebhafter Säure, daneben werden Öküzgözü, Kalecik Karası, Boğazkere, Narince und internationale Sorten verarbeitet.

Das Kultur- und Tourismusministerium zählt in der Provinz Nevşehir vier Weinbaubetriebe. Der älteste ist Turasan in Ürgüp: Die Familie legte 1943 den Grundstein und gilt als erster privater Weinbaubetrieb Kappadokiens in der Republik. Heute führt die dritte Generation das Haus, das rund 1 bis 1,2 Millionen Liter im Jahr verkauft und einen großen Teil der Trauben von Vertragswinzern aus Tokat, Denizli und Elazığ bezieht. Kocabağ in Uçhisar wurde 1972 gegründet, brachte 1986 seinen ersten Wein auf den Markt und lagert ihn in Tuffsteinhöhlen mit einer Kapazität von 300.000 Litern. Kocabağ keltert unter anderem Emir, Narince, Öküzgözü, Boğazkere und Kalecik Karası.

Eine Weinprobe passt gut in einen Kappadokien-Tag nach einer Wanderung oder am Nachmittag nach einer frühen Ballonfahrt. Was es in der Region sonst zu sehen gibt, lesen Sie in unserem Porträt Kappadokien. Ein Hinweis aus der Praxis: Verkaufsräume an den Hauptstraßen werden oft von großen Reisegruppen angesteuert. Wer tiefer einsteigen möchte, vereinbart besser eine geführte Probe direkt beim Weingut.

Ostanatolien: Elazığ und Diyarbakır

Elazığ am Euphrat ist die Heimat des Öküzgözü, Diyarbakır die des Boğazkere. „Elazığ Öküzgözü“ ist seit dem 6. März 2009 als Ursprungsbezeichnung geschützt. Die Weinberge liegen in Tälern auf 850 bis 1.000 Metern Höhe, die von Bergen umschlossen sind; die Stauseen von Keban und Karakaya mildern das Klima. Gelesen wird im September und Oktober.

Den Weinbau um Harput bei Elazığ prägten bis ins frühe 20. Jahrhundert armenische und syrisch-orthodoxe Gemeinden. Das Ministerium verbindet die Rotweintradition von Malatya, Elazığ und Diyarbakır sogar mit dem Erbe der Hattier und Hethiter. In Midyat und um Mardin halten syrisch-orthodoxe Familien den Weinbau mit den Lokalsorten Mazruna und Kerkus lebendig. Weintourismus ist im Osten noch wenig entwickelt, lässt sich aber gut mit einer Osttürkei-Rundreise verbinden.

Was ist Rakı und wie trinkt man ihn?

Rakı ist der türkische Nationalbrand: eine Anisspirituose auf Traubenbasis mit meist 40 bis 50 Prozent Alkohol. Trauben oder Rosinen werden vergoren und destilliert, dann wird Anis zugegeben und erneut destilliert. Der Name geht vermutlich auf das arabische „araq“ zurück, erwähnt wird Rakı ab dem 15. Jahrhundert. Verwandte Getränke sind der griechische Ouzo und der französische Pastis.

Getrunken wird Rakı in hohen, schmalen Gläsern: zwei bis drei Finger breit Rakı, dann etwa die gleiche Menge kaltes Wasser, nach Belieben Eis, immer in dieser Reihenfolge. Durch das Wasser wird das Getränk milchig trüb, daher der Beiname „aslan sütü“, Löwenmilch. Pur trinkt ihn kaum jemand.

Rakı trinkt man nicht allein und nicht nebenbei. Die „rakı sofrası“ ist ein langer Abend mit vielen kalten und warmen Meze, danach Fisch, oft begleitet von Musik. Klassisch ist das in den Meyhanes von Istanbul und Izmir. Welche Meze dazugehören, lesen Sie in unserem Ratgeber zur türkischen Küche. Bekannte Marken sind Yeni Rakı und Tekirdağ Rakısı. Rakı ist stark besteuert: Zwischen 2003 und 2018 stieg der Preis um rund 500 Prozent, etwa zwei Drittel des Verkaufspreises entfallen auf Steuern.

Welche Alkoholgesetze gelten in der Türkei?

Alkohol ist in der Türkei legal, sein Verkauf aber streng geregelt. Die wichtigsten Regeln stammen aus einer Änderung des Alkoholgesetzes Nr. 4250 durch das Gesetz Nr. 6487 vom Mai 2013:

Regel Was sie für Reisende bedeutet
Kein Einzelhandelsverkauf von 22 bis 6 Uhr Supermärkte, Kioske und Weinläden dürfen abends ab 22 Uhr keinen Alkohol verkaufen.
Ausschank nur mit Erlaubnis Restaurants und Bars brauchen eine Ausschankerlaubnis; dort dürfen Sie auch nach 22 Uhr trinken.
Werbe- und Promotionsverbot Keine Alkoholwerbung, keine Verkostungsaktionen für Verbraucher; Weingüter treten online sehr zurückhaltend auf.
Abgabeverbot unter 18 Jahren Gilt für Verkauf und Ausschank.
Mindestabstand 100 Meter Verkaufsstellen müssen Abstand zu Schulen, Wohnheimen und Gotteshäusern halten; Betriebe mit Tourismuszertifikat sind ausgenommen.

In der Praxis heißt das: Kaufen Sie Wein für den Abend im Hotel rechtzeitig vor 22 Uhr. Hotels, Meyhanes und Restaurants in Touristenorten schenken problemlos aus. In konservativen Städten wie Konya oder Şanlıurfa sowie in vielen einfachen Lokantas und Kebap-Häusern bekommen Sie dagegen gar keinen Alkohol. Ob ein Restaurant ausschenkt, erkennen Sie meist an der Getränkekarte; im Zweifel fragen Sie vorher nach.

Preise und Steuern

Wein ist in der Türkei hoch besteuert. Neben der Mehrwertsteuer fällt eine Sonderverbrauchsteuer (ÖTV) an, die einen großen Teil des Ladenpreises ausmacht und regelmäßig angepasst wird. Wein im Restaurant kostet deshalb im Verhältnis zum übrigen Preisniveau viel, oft deutlich mehr als das Essen selbst. Feste Preisangaben veralten bei der türkischen Inflation schnell; Hinweise zum Umgang mit der Lira finden Sie im Ratgeber Währung und Geld in der Türkei.

Alkohol im Ramadan

Für den Fastenmonat gibt es keine eigenen Alkoholvorschriften, die genannten Regeln gelten unverändert. Hotels und Restaurants mit Ausschankerlaubnis servieren in den Touristenregionen wie gewohnt. Zurückhaltung ist trotzdem angebracht: Trinken Sie in traditionellen Vierteln nicht demonstrativ auf der Straße, und fragen Sie in konservativen Gegenden im Zweifel vorher nach, ob ein Lokal ausschenkt.

Wie besucht man Weingüter in der Türkei?

Die beste Zeit für Weinreisen ist von April, wenn die Reben austreiben, bis Anfang Oktober, wenn die Lese endet. Im September ist in den meisten Regionen Weinlese; manche Güter lassen Gäste dabei mithelfen. Eine schöne Gelegenheit sind die Weinlesefeste auf Bozcaada und in Urla. Was der Herbst sonst bietet, steht im Ratgeber Türkei im Oktober.

Viele Weingüter haben einen Verkaufsraum und bieten Verkostungen an, kleinere oft nur nach Voranmeldung. Weil Alkoholwerbung verboten ist, finden Sie auf den Websites der Erzeuger mitunter kaum Informationen zu Besuchszeiten. Rufen Sie deshalb vorher an oder lassen Sie Ihre Reiseleitung den Termin abstimmen. Wer verkostet, sollte nicht selbst fahren: Fahren unter Alkoholeinfluss wird auch in der Türkei geahndet, und die Weingüter in Urla oder Thrakien liegen weit verstreut.

Wie viel Wein darf man nach Deutschland mitnehmen?

Da die Türkei kein EU-Mitglied ist, gelten bei der Einreise nach Deutschland die Reisefreimengen für Drittländer. Abgabenfrei dürfen Sie pro Person ab 17 Jahren einführen:

  • 4 Liter nicht schäumenden Wein
  • 16 Liter Bier
  • 1 Liter Spirituosen mit mehr als 22 % Alkohol (zum Beispiel Rakı) oder 2 Liter alkoholische Getränke mit höchstens 22 %

Alles darüber muss beim Zoll im roten Ausgang angemeldet und versteuert werden. Die Wertgrenze von 430 Euro für Flugreisende gilt für andere Waren, nicht für Alkohol. Flaschen gehören wegen der Flüssigkeitsregeln ins aufgegebene Gepäck, gut gepolstert; im Duty-free-Bereich nach der Sicherheitskontrolle gekaufte Ware darf ins Handgepäck. Was sonst noch erlaubt ist, etwa bei Lebensmitteln, Teppichen und Antiquitäten, erklärt unser Ratgeber Was darf man aus der Türkei mitnehmen?

Weinreise und Kulinarik-Rundreise: Kappadokien, Urla und Istanbul

Eine Weinreise durch die Türkei lässt sich gut mit den klassischen Kulturzielen verbinden. Sinnvoll ist eine Route, die drei sehr unterschiedliche Weinlandschaften zusammenbringt: Istanbul mit seinen Meyhanes und Weinbars, Kappadokien mit dem Emir auf Vulkanboden und Urla an der Ägäis mit seiner jungen Weinroute.

Ein möglicher Ablauf für zehn bis zwölf Tage: Zwei bis drei Tage Istanbul mit einem Meyhane-Abend und einem Abstecher nach Thrakien, dann Inlandsflug nach Kappadokien für drei Tage mit Wanderungen, Höhlenkirchen und zwei Weingutbesuchen. Von dort Flug nach Izmir und drei bis vier Tage in Urla und Umgebung, kombiniert mit Ephesus, Teos oder der Halbinsel Çeşme. Wer nur eine Woche hat, beginnt mit unserer Reise Istanbul und Kappadokien und ergänzt sie um ein bis zwei Weingutbesuche.

Bei einer privaten Rundreise legen Fahrer und Reiseleitung die Weinproben so, dass niemand selbst fahren muss, und stimmen Termine mit den Weingütern direkt ab. Für Weinfreunde, Vereine und kleine Gruppen organisieren wir auf Wunsch einen eigenen Bus, eine deutschsprachige Reiseleitung mit Kenntnis der Weinregionen, Kochkurse und lange Abende an der Meze-Tafel. Wenn Sie eine solche Reise planen, schreiben Sie uns über das Anfrageformular Ihre Wunschregionen und Ihren Reisezeitraum.

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Häufige Fragen

Ist türkischer Wein gut?

Die Qualität hat sich seit den 2000er-Jahren stark verbessert. Viele kleinere Weingüter keltern heute sorgfältig ausgebaute Weine aus heimischen Rebsorten wie Öküzgözü, Boğazkere oder Narince und werden auf internationalen Wettbewerben ausgezeichnet. Wie überall gibt es große Unterschiede zwischen einfachen Massenweinen und Lagenweinen kleiner Erzeuger.

Darf man in der Türkei Alkohol trinken?

Ja. Alkohol ist legal und in Touristenorten, Großstädten und Meyhanes überall erhältlich. Geschäfte dürfen ihn aber zwischen 22 und 6 Uhr nicht verkaufen, die Abgabe an unter 18-Jährige ist verboten, und ausgeschenkt wird nur in Betrieben mit entsprechender Erlaubnis. In konservativen Städten schenken viele Restaurants gar keinen Alkohol aus.

Welche türkische Rebsorte sollte man probieren?

Für Rotwein-Einsteiger eignet sich Kalecik Karası, ein leichter, fruchtiger Rotwein aus der Gegend von Ankara. Kräftiger sind Öküzgözü aus Elazığ und der sehr gerbstoffreiche Boğazkere aus Diyarbakır, die oft miteinander verschnitten werden. Bei den Weißweinen sind Emir aus Kappadokien und Narince aus Tokat die bekanntesten heimischen Sorten.

Wie viel Wein darf ich aus der Türkei nach Deutschland mitnehmen?

Da die Türkei nicht zur EU gehört, gelten die Reisefreimengen für Drittländer: 4 Liter nicht schäumender Wein, 16 Liter Bier sowie 1 Liter Spirituosen über 22 % Alkohol oder 2 Liter Getränke mit höchstens 22 %. Reisende unter 17 Jahren dürfen keinen Alkohol einführen. Darüber hinausgehende Mengen müssen beim Zoll angemeldet und versteuert werden.

Kann man in Kappadokien Weingüter besuchen?

Ja. Rund um Ürgüp und Uçhisar gibt es mehrere Weinbaubetriebe, darunter Turasan in Ürgüp, dessen Wurzeln auf das Jahr 1943 zurückgehen, und Kocabağ in Uçhisar, das Wein in Tuffsteinhöhlen lagert. Viele Weingüter verkaufen direkt und bieten Verkostungen an; Öffnungszeiten und Anmeldung sollten Sie vorab direkt beim Betrieb erfragen.

Was ist der Unterschied zwischen Rakı und Ouzo?

Beide sind Anisspirituosen aus dem östlichen Mittelmeerraum. Rakı wird in der Türkei aus Trauben oder Rosinen destilliert, mit Anis aromatisiert und erneut destilliert, er hat meist 40 bis 50 % Alkohol. Getrunken wird er mit Wasser und oft Eis, wodurch er milchig wird, fast immer zu Meze und Fisch. Ouzo ist die griechische Variante derselben Tradition.

Quellen & weiterführende Informationen

  1. T.C. Tarım ve Orman Bakanlığı (TEPGE): Üzüm – Tarım Ürünleri Piyasaları Raporu, Juli 2025 (arastirma.tarimorman.gov.tr)
  2. Cabaroğlu, T. (2023): Türk Şarapçılığının Durumu ve Sorunları, Bahçe 52 (Sonderheft 1) (avesis.cu.edu.tr)
  3. Jancis Robinson: Wine in Türkiye today (2024) (jancisrobinson.com)
  4. Wines of Turkey: Turkey's wine grape productions (winesofturkey.org)
  5. Wikipedia: Turkish wine (en.wikipedia.org)
  6. Decanter: Grapevines first cultivated 11,000 years ago, says study (Science 2023) (decanter.com)
  7. Wine Spectator: Origins of Winemaking Stretch Back 8,000 Years (winespectator.com)
  8. GoTürkiye (Türkisches Kultur- und Tourismusministerium): Vineyard Routes – Broschüre (cdn.goturkiye.com)
  9. Lonely Planet: Urla – putting Turkish wine on the map (lonelyplanet.com)
  10. Ekonomi Gazetesi: Turasan Şarapçılık – drei Generationen in den Weinbergen Kappadokiens (ekonomigazetesi.com)
  11. Gazete Vatan (Engin Akın): Ürgüp'ün ödüllü Turasan'ı (gazetevatan.com)
  12. Turkey Travel Planner: Kocabağ Wines (turkeytravelplanner.com)
  13. Habertürk: Die besten türkischen Weinberge nach Regionen (Thrakien) (haberturk.com)
  14. Küre Ansiklopedi: Elazığ Öküzgözü Üzümü (Ursprungsbezeichnung Nr. 108) (kureansiklopedi.com)
  15. Diken: İki üzüm, iki gözüm – Öküzgözü & Boğazkere (diken.com.tr)
  16. Wikipedia: Bozcaada (en.wikipedia.org)
  17. Wikipedia: Rakı (de.wikipedia.org)
  18. Gesetz Nr. 6487 vom 24.5.2013 (Änderung des Alkoholgesetzes Nr. 4250), Volltext bei Alomaliye (alomaliye.com)
  19. Verwaltungsportal des Bundes: Waren aus Nicht-EU-Ländern abgabenfrei einführen (Reisefreimengen) (verwaltung.bund.de)

Angaben zu Einreise, Preisen und Öffnungszeiten können sich ändern. Bitte prüfen Sie vor Reiseantritt die offiziellen Stellen.

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