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Byzanz in Istanbul: Spuren von Konstantinopel heute

Illustration Byzanz in Istanbul: Hagia Sophia, Türme der Theodosianischen Landmauer und eine antike Säule im Abendlicht

Kurz & bündig

Byzanz, später Konstantinopel, ist das heutige Istanbul in der Türkei, genauer dessen Altstadt-Halbinsel im Bezirk Fatih. Von Byzanz und dem späteren Konstantinopel sind in Istanbul vor allem Bauten für Wasser, Verteidigung und öffentliche Feste erhalten: das Hippodrom mit dem ägyptischen Obelisken, der Schlangensäule und dem Gemauerten Obelisken, die Basilika-Zisterne aus dem 6. Jahrhundert mit 336 Säulen und zwei Medusenköpfen, die Binbirdirek-Zisterne, der Valens-Aquädukt, die Konstantinsäule von 330 und die rund 5,7 Kilometer lange Theodosianische Landmauer aus dem frühen 5. Jahrhundert. Vom Großen Palast der Kaiser zeugen das Mosaikenmuseum, das seit Juli 2023 wegen Restaurierung geschlossen ist, und die Ruine des Bukoleon-Palastes am Marmarameer, vom spätbyzantinischen Blachernen-Palast der Tekfur Sarayı, seit 2019 ein Museum. Für die Spuren in Sultanahmet brauchen Sie einen vollen Tag, für Landmauer, Tekfur Sarayı und Chora-Kirche einen weiteren halben Tag.

Zuletzt aktualisiert:

Heutiger Name
Istanbul (Türkei), offiziell seit 28. März 1930
Epoche
Byzantion um 660 v. Chr., Konstantinopel 330–1453 n. Chr.
UNESCO
Historische Bereiche von Istanbul seit 1985, inklusive Landmauern
Sultanahmet
Hippodrom, Basilika-Zisterne, Binbirdirek, Konstantinsäule, Hagia Sophia
Landmauer
um 405–413, rund 5,7 km vom Marmarameer bis Blachernen
Geschlossen
Mosaikenmuseum Großer Palast seit Juli 2023 (Stand Oktober 2026)
Zeitbedarf
1 Tag Sultanahmet plus ½ Tag Landmauer, Tekfur Sarayı und Chora

Wo liegt Byzanz heute?

Byzanz liegt heute in Istanbul, der größten Stadt der Türkei; Byzanz, Konstantinopel und Istanbul sind dieselbe Stadt:

  • Byzantion (Byzanz): griechische Kolonie aus Megara, gegründet um 660 v. Chr. (antike Angaben: 667 oder 656 v. Chr.).
  • Konstantinopel: Konstantin der Große weihte die Stadt am 11. Mai 330 n. Chr. als neue Hauptstadt des Römischen Reiches.
  • 1453: Sultan Mehmed II. eroberte Konstantinopel am 29. Mai 1453; die Stadt wurde osmanische Hauptstadt.
  • Istanbul: offizieller Name seit dem 28. März 1930; danach stellte die türkische Post Sendungen an „Konstantinopel“ nicht mehr zu.
  • Heute: Istanbul hat rund 15,8 Millionen Einwohner (Ende 2025) und liegt beiderseits des Bosporus in Europa und Asien. Das alte Byzanz und Konstantinopel entsprechen der Altstadt-Halbinsel auf der europäischen Seite, dem heutigen Bezirk Fatih; sie gehört seit 1985 zum UNESCO-Welterbe „Historische Bereiche von Istanbul“.

Konstantinopel heute: Was ist von der Stadt geblieben?

Vom byzantinischen Konstantinopel sind in Istanbul vor allem die großen Infrastrukturbauten erhalten: Zisternen, ein Aquädukt, die Landmauer, Teile der Rennbahn und einzelne Säulen. Dazu kommen Kirchen, die heute Moscheen oder Museen sind, allen voran die Hagia Sophia. Von den Kaiserpalästen dagegen stehen nur Ruinen und Fragmente. Diese Orte können Sie heute besuchen:

  1. Hagia Sophia: Justinians Kuppelkirche von 537, heute Moschee.
  2. Hippodrom: heute Sultanahmet-Platz mit Obelisk und Schlangensäule.
  3. Basilika-Zisterne: Wasserspeicher des 6. Jahrhunderts.
  4. Konstantinsäule: von 330, in Çemberlitaş.
  5. Theodosianische Landmauer: aus dem 5. Jahrhundert.
  6. Tekfur Sarayı: spätbyzantinischer Palast, heute Museum.
  7. Chora-Kirche: Mosaiken des 14. Jahrhunderts; weitere im Ratgeber Kirchen in Istanbul.

Osmanische Bauten und Museen ergänzt der Ratgeber Istanbul-Sehenswürdigkeiten.

Das Pflaster des Sultanahmet-Platzes liegt rund zwei Meter über der byzantinischen Rennbahn, und die Hauptstraße Divanyolu folgt der alten Mese, der Prachtstraße der Kaiserzeit. Einen Überblick über Viertel, Verkehrsmittel und Aufenthaltsdauer finden Sie im Porträt Istanbul. Die Seite gehört zum Schwerpunkt christliche Stätten in der Türkei und behandelt vor allem die nichtkirchlichen Spuren.

Die Historischen Bereiche von Istanbul stehen seit 1985 auf der UNESCO-Welterbeliste. Zum Welterbe gehören vier Teilbereiche: der Archäologische Park an der Spitze der historischen Halbinsel mit Hippodrom und Hagia Sophia, das Süleymaniye-Viertel, das Viertel Zeyrek um das frühere Pantokrator-Kloster und ein Streifen beiderseits der Theodosianischen Landmauer einschließlich der Reste des Blachernen-Palastes. Die UNESCO nennt ausdrücklich die Landmauer und die monumentalen Zisternen als Gründe für die Aufnahme.

Kurze Geschichte: Von Byzantion bis 1453

Die Geschichte der Stadt reicht von einer griechischen Kolonie im 7. Jahrhundert v. Chr. bis zum Ende des Byzantinischen Reiches 1453; mehr als 1.100 Jahre davon war sie Kaiserresidenz.

Byzantion: die griechische Kolonie

Nach antiker Überlieferung gründeten Siedler aus Megara unter einem Anführer namens Byzas die Stadt Byzantion. Herodot setzt die Gründung um 667 v. Chr. an, Eusebius um 656 v. Chr. Die Lage am Bosporus zwischen Schwarzem Meer und Marmarameer war strategisch und wirtschaftlich ideal. 196 n. Chr. ließ Kaiser Septimius Severus die Stadt belagern und schwer beschädigen, weil sie seinen Rivalen Pescennius Niger unterstützt hatte; danach baute er sie wieder auf und legte auch das erste Hippodrom an.

Konstantinopel: Neues Rom am Bosporus

Konstantin der Große gründete die Stadt 324 neu und weihte sie am 11. Mai 330 als neue Hauptstadt des Römischen Reiches. Offiziell hieß sie Nova Roma, durchgesetzt hat sich Konstantinopel. Für das Reich, das von hier aus regiert wurde, prägten Historiker später den Begriff „Byzantinisches Reich“; seine Bewohner selbst nannten sich Römer (Rhomäer).

Justinian und das 6. Jahrhundert

Unter Justinian I. (527–565) erreichte Konstantinopel nach Schätzungen rund 500.000 Einwohner. 532 brach im Hippodrom der Nika-Aufstand aus, bei dessen Niederschlagung nach dem Geschichtsschreiber Prokop rund 30.000 Menschen getötet wurden. Die Brände zerstörten die Vorgängerkirche der Hagia Sophia, die Justinian von 532 bis 537 neu errichten ließ. In seine Zeit fällt auch die Basilika-Zisterne.

1204: Der Vierte Kreuzzug

Die arabischen Belagerungen von 674 bis 678 und 717/718 überstand die Stadt dank ihrer Mauern und des „griechischen Feuers“. Den schwersten Schlag führten dagegen Christen: 1204 eroberten und plünderten die Teilnehmer des Vierten Kreuzzugs Konstantinopel und gründeten das Lateinische Kaiserreich. Die vier Bronzepferde vom Hippodrom stehen seitdem in Venedig. 1261 eroberte Michael VIII. Palaiologos aus dem Exil in Nicäa die Stadt zurück.

29. Mai 1453: das Ende

Am 6. April 1453 begann die Belagerung durch Sultan Mehmed II., am 29. Mai fiel die Stadt nach sieben Wochen. Der letzte Kaiser, Konstantin XI., starb bei den Kämpfen an der Landmauer. Wie die Stadt danach osmanisch geprägt wurde, beschreibt unser Ratgeber zum osmanischen Erbe der Türkei.

Hippodrom: Obelisk, Schlangensäule und Gemauerter Obelisk

Das Hippodrom war die Rennbahn und das politische Zentrum Konstantinopels; heute ist es der Sultanahmet-Platz (At Meydanı) zwischen Blauer Moschee und Divanyolu. Von der Anlage sind drei Monumente auf der früheren Mittelachse (Spina) erhalten, der Platz ist frei zugänglich.

Septimius Severus baute die Rennbahn um 203, Konstantin erweiterte sie nach 324. Mit geschätzt etwa 450 Metern Länge und 130 Metern Breite bot sie rund 100.000 Zuschauern Platz. Die Kurven der Rennbahn sind im Pflaster markiert, die eigentliche Laufbahn liegt rund zwei Meter tiefer.

Ägyptischer Obelisk (Theodosius-Obelisk)

Der Obelisk aus rosa Granit stand ursprünglich im Tempel von Karnak in Ägypten und wurde unter Pharao Thutmosis III. im 15. Jahrhundert v. Chr. aufgestellt. Kaiser Theodosius I. ließ ihn 390 n. Chr. im Hippodrom errichten. Erhalten ist der obere Teil, knapp 20 Meter hoch, mit Sockel rund 25 Meter. Achten Sie auf den Marmorsockel: Seine Reliefs zeigen den Kaiser mit dem Hof in der Loge, Wagenrennen, tributbringende Barbaren und auf der Nordseite das Aufrichten des Obelisken selbst.

Schlangensäule

Die gewundene Bronzesäule ist das älteste Monument der Stadt. Sie gehörte zu einem Weihgeschenk, mit dem 31 griechische Städte nach dem Sieg über die Perser bei Plataiai 479 v. Chr. Apollon in Delphi dankten; ihre Namen stehen auf den Windungen. Konstantin brachte sie nach Konstantinopel. Die drei Schlangenköpfe fielen nach osmanischen Berichten in der Nacht zum 20. Oktober 1700 herab. Ein Oberkiefer ist heute im Archäologischen Museum Istanbul zu sehen, im Hippodrom steht nur der Schaft in einer Vertiefung.

Gemauerter Obelisk (Konstantin-Obelisk)

Der rund 32 Meter hohe, aus Bruchstein gemauerte Obelisk stammt aus der Spätantike, sein genaues Baudatum ist unbekannt. Im 10. Jahrhundert ließ Konstantin VII. Porphyrogennetos ihn restaurieren und mit vergoldeten Bronzeplatten verkleiden; eine griechische Inschrift im Sockel erinnert daran. Die Kreuzfahrer rissen die Platten 1204 ab und schmolzen sie ein. Heute sehen Sie den nackten Steinkern.

Basilika-Zisterne und Binbirdirek: Konstantinopels Wasserspeicher

Die Basilika-Zisterne (Yerebatan Sarnıcı) ist der bekannteste unterirdische Wasserspeicher Istanbuls, die Binbirdirek-Zisterne der zweitgrößte. Beide liegen nur wenige Gehminuten von der Hagia Sophia entfernt.

Basilika-Zisterne (Cisterna Basilica)

Die Zisterne entstand im 6. Jahrhundert unter Justinian I. Sie misst etwa 138 mal 65 Meter, rund 9.800 Quadratmeter, und fasste etwa 80.000 Kubikmeter Wasser. 336 Marmorsäulen von je rund neun Metern Höhe stehen in zwölf Reihen. In der Nordwestecke dienen zwei wiederverwendete Blöcke mit Medusenköpfen als Säulenbasen. Woher sie stammen, ist unbekannt.

Von 2017 bis 2022 war die Zisterne für Restaurierung und Erdbebensicherung geschlossen. Dabei wurden die Verbindungen zwischen den Säulen erneuert, Eingangshalle und Beleuchtung neu gestaltet; im Juli 2022 öffnete sie wieder, seitdem mit Lichtinstallationen und wechselnder Kunst.

Im Juni 2026 ging die Verwaltung von der Stadt Istanbul an die staatliche Generaldirektion für Stiftungen über. Nach Wartungsarbeiten wurde die Zisterne am 6. Juni 2026 wieder geöffnet. Gegen die Übergabe hat ein Istanbuler Verwaltungsgericht einen Aussetzungsbeschluss erlassen, der Rechtsstreit läuft. Einen offiziell veröffentlichten Eintrittspreis für ausländische Besucher unter dem neuen Betreiber haben wir nicht gefunden; Preise und Öffnungszeiten sollten Sie deshalb kurz vor dem Besuch prüfen (Stand Oktober 2026). Rechnen Sie mit 30 bis 45 Minuten.

Binbirdirek-Zisterne (Zisterne des Philoxenos)

Die Binbirdirek-Zisterne liegt unter einem kleinen Park westlich des Hippodroms, der Eingang ist in der İmran-Öktem-Sokak. Sie entstand im 4. oder 5. Jahrhundert unter einem Palast und wurde unter Justinian erneuert. Auf rund 3.640 Quadratmetern tragen 224 Säulen von 14 bis 15 Metern Höhe die Gewölbe; jede besteht aus zwei übereinandergesetzten Schäften mit einem Marmorring dazwischen. Der Name bedeutet „1001 Säulen“ und ist nicht wörtlich gemeint.

Anders als die Basilika-Zisterne ist Binbirdirek trocken und dient heute für Ausstellungen, Konzerte und Veranstaltungen.

Großer Palast: Mosaikenmuseum und Bukoleon-Palast

Der Große Palast war über Jahrhunderte die Hauptresidenz der Kaiser und reichte in Terrassen vom Hippodrom bis zum Marmarameer. Erhalten sind vor allem Bodenmosaiken und die Seefassade des Bukoleon-Palastes; der Rest liegt unter der Blauen Moschee und den Häusern von Sultanahmet.

Mosaikenmuseum des Großen Palastes

Das Mosaikenmuseum (Büyük Saray Mozaikleri Müzesi) liegt am Arasta-Basar hinter der Blauen Moschee. Archäologen der schottischen Universität St Andrews legten die Mosaiken 1935 bis 1938 und 1951 bis 1954 frei; sie schmückten einen Säulenhof (Peristyl) von insgesamt 1.872 Quadratmetern. Das Museum öffnete 1953; von 1982 bis 1997 konservierte die Österreichische Akademie der Wissenschaften die Mosaiken. Ausgestellt sind je nach Quelle 180 bis 250 Quadratmeter mit rund 90 Szenen und 150 Figuren: Jagdszenen, Hirten, ein Löwe im Kampf mit einem Elefanten, Greifen. Datiert werden sie zwischen dem späten 5. Jahrhundert und der Zeit des Herakleios im 7. Jahrhundert; christliche Motive fehlen fast ganz.

Seit Juli 2023 ist das Museum wegen Restaurierung geschlossen, ein Wiedereröffnungstermin ist nicht bekannt (Stand Oktober 2026).

Bukoleon-Palast

Der Bukoleon-Palast war der Seepalast des Kaiserkomplexes mit eigenem Hafen. Er geht wahrscheinlich auf Theodosius II. im 5. Jahrhundert zurück und wurde unter Theophilos im 9. Jahrhundert erweitert. Erhalten ist ein Stück der Seefassade mit drei marmorgerahmten Öffnungen eines Balkons, das Sie von der Küstenstraße am Marmarameer östlich der Kleinen Hagia Sophia sehen. 1873 wurde ein Teil der Ruine für die Bahnlinie nach Sirkeci abgerissen.

Die Stadt Istanbul kündigte 2018 eine Restaurierung und ein Freilichtmuseum mit Holzsteg an, 2021 wurde dabei ein byzantinischer Brunnen entdeckt. Ob das Gelände betreten werden kann, ließ sich nicht verlässlich klären; rechnen Sie mit einem Blick von außen.

Konstantinsäule und Valens-Aquädukt

Die Konstantinsäule und der Valens-Aquädukt gehören zu den ältesten stehenden Bauten Konstantinopels; beide sind frei zugänglich.

Konstantinsäule (Çemberlitaş)

Die Säule an der Straßenbahnhaltestelle Çemberlitaş wurde am 11. Mai 330 zur Einweihung der Stadt geweiht. Sie stand auf dem ovalen Forum Konstantins und trug eine Bronzestatue des Kaisers mit Strahlenkrone im Stil des Sonnengottes; mit Statue war das Monument fast 50 Meter hoch. 1106 stürzten Statue und drei Trommeln in einem Sturm herab. Heute ragt der Schaft aus Porphyrtrommeln knapp 35 Meter auf. Die Eisenringe, die um 1515 zur Sicherung angebracht wurden, gaben ihr den türkischen Namen: „Çemberlitaş“ bedeutet „beringter Stein“. Nach der Überlieferung lagen im Sockel Reliquien; belegt ist das nicht.

Valens-Aquädukt (Bozdoğan Kemeri)

Der Aquädukt überspannt die Talsenke zwischen dem dritten und vierten Hügel der Altstadt und wurde unter Kaiser Valens um 368 bis 373 vollendet. Die erhaltene Bogenreihe ist rund 900 Meter lang und bis zu 29 Meter hoch; der Atatürk-Boulevard führt unter den Bögen hindurch. Osmanische Sultane wie Mehmed II. und Süleyman der Prächtige ließen die Leitung reparieren. Ab Dezember 2018 restaurierte der städtische Wasserversorger İSKİ einen rund 591 Meter langen Abschnitt. Begehbar ist das Bauwerk nicht.

Theodosianische Landmauer: Länge, Zustand und Begehbarkeit

Die Theodosianische Landmauer schützte Konstantinopel über tausend Jahre lang auf der Landseite und ist eines der größten erhaltenen Verteidigungswerke der Spätantike. Sie verläuft rund 5,7 Kilometer vom Marmarameer bis zum Blachernen-Viertel; mit dem jüngeren Abschnitt bis zum Goldenen Horn sind es je nach Messung etwa 6,5 Kilometer.

Aufbau

Begonnen wurde die Mauer um 405 unter Arcadius, die erste Phase war 413 unter Theodosius II. fertig, geleitet vom Präfekten Anthemios. Das System bestand aus drei Linien: einem über 20 Meter breiten Graben, einer Vormauer von etwa 8,5 bis 9 Metern Höhe und der rund 12 Meter hohen Hauptmauer mit 96 Türmen. Nach einem Erdbeben 447 wurden große Teile, darunter 57 Türme, nach den Quellen in nur 60 Tagen wieder aufgebaut. Erst 1453 fiel die Stadt über diese Mauer; nach verbreiteter Ansicht starb Konstantin XI. am Romanos-Tor (heute Topkapı), Mehmed II. zog durch das Charisios-Tor (heute Edirnekapı) ein.

Zustand und Restaurierung

Rekonstruierte Abschnitte stehen heute neben Ruinen. Die Restaurierungen der 1980er und 1990er Jahre wurden wegen ungeeigneter Materialien kritisiert; bei den Erdbeben von 1999 stürzten restaurierte Teile ein, während die originale Substanz darunter hielt. 2020 stürzte am Abschnitt an der Vatan Caddesi ein Turm ein, die Stadtverwaltung bezeichnete damals 20 Türme als stark gefährdet. Seitdem restauriert die städtische Denkmalabteilung İBB Miras abschnittsweise.

Kann man die Mauer begehen?

Entlang der Mauer können Sie gehen, auf der Mauerkrone meist nicht. Reisende berichten von verschlossenen Treppen und Gittertoren auf fast der ganzen Strecke. Die komplette Wanderung vom Goldenen Horn bei Ayvansaray bis zum Marmarameer ist etwa sieben Kilometer lang, mit rund 70 Höhenmetern; rechnen Sie mit etwa vier Stunden. Ans Südende kommen Sie mit der Vorortbahn Marmaray bis Kazlıçeşme.

Ehrlich gesagt: Die Strecke ist kein gepflegter Weg, sie führt an Schnellstraßen und Brachen vorbei, einzelne Abschnitte im Norden wirken vernachlässigt. Für die meisten Besucher genügt der Abschnitt bei Edirnekapı mit Tekfur Sarayı und Chora-Kirche. Am Südende liegt die Festung Yedikule, die Mehmed II. 1458 an das Goldene Tor anbauen ließ und die heute ein Museum ist; die Öffnungstage wechseln, prüfen Sie sie vorab.

Tekfur Sarayı: der letzte Kaiserpalast

Der Tekfur Sarayı ist der einzige weitgehend erhaltene byzantinische Palastbau Istanbuls und seit Juni 2019 ein Museum. Er steht an der Landmauer bei Edirnekapı und gehörte zum Blachernen-Palast der späten Kaiser.

Der dreigeschossige Bau entstand im späten 13. oder frühen 14. Jahrhundert. Der Name „Palast des Porphyrogennetos“ bezieht sich vermutlich auf Konstantin Palaiologos, einen Sohn Michaels VIII. Auffällig ist die Fassade aus rotem Ziegel und weißem Marmor mit geometrischen Mustern. In osmanischer Zeit diente der Bau als Menagerie des Sultans, ab 1719 als Fliesenmanufaktur, deren Fliesen im Stil von İznik entstanden, später als Armenhaus und Flaschenfabrik.

Bei der Restaurierung ab 2005 wurde er neu überdacht und mit Aufzügen ausgestattet. Das Museum zeigt Keramik und Glas aus den Grabungen sowie Nachbildungen der hier hergestellten Fliesenpaneele. Betreiber ist die Stadt Istanbul; geöffnet ist laut Betreiber dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, Einlass bis 17:30 Uhr, montags geschlossen. Ausländische Besucher zahlen Eintritt, bezahlt wird nur mit Karte; den aktuellen Preis nennt die Museumsseite der Stadt.

Byzantinische Kirchen in Istanbul: die Kurzliste

Die byzantinischen Kirchen beschreiben wir auf eigenen Seiten ausführlich. Die wichtigsten in Kürze:

  • Hagia Sophia (532–537): Justinians Kuppelbau, heute Moschee mit Galerie-Rundgang für Besucher. Alles zu Mosaiken, Eintritt und Freitagsregel steht im Porträt der Hagia Sophia.
  • Hagia Irene: Kirche im ersten Hof des Topkapı-Palastes, nie Moschee, heute Museum.
  • Chora-Kirche (Kariye-Moschee): spätbyzantinische Mosaiken und Fresken um 1315 bis 1321, nahe Edirnekapı; freitags für Besucher geschlossen.
  • Kleine Hagia Sophia (Sergios und Bakchos): justinianischer Bau am Marmarameer, heute Moschee.
  • Pantokrator-Kloster (Zeyrek-Moschee) und Pammakaristos (Fethiye-Moschee) am Goldenen Horn.

Konfession, heutiger Status, Besuchsregeln und lebende Gemeinden wie das Ökumenische Patriarchat finden Sie im Ratgeber Kirchen in Istanbul.

Byzanz in Istanbul im Überblick: Tabelle

Die Tabelle fasst Epoche, heutigen Zustand und Besuchsstatus zusammen. „Frei“ heißt frei zugänglich, ohne Eintritt (Stand Oktober 2026).

Ort Epoche Was Sie sehen Eintritt / Status
Hippodrom 203, erweitert nach 324 Platz mit ägyptischem Obelisken, Schlangensäule, Gemauertem Obelisken frei
Basilika-Zisterne 6. Jh. (Justinian) 336 Säulen, zwei Medusenköpfe, Lichtinstallationen Eintritt; seit 6.6.2026 neuer Betreiber, Preis vorab prüfen
Binbirdirek-Zisterne 4./5. Jh., erneuert 6. Jh. trockene Halle mit 224 Doppelsäulen Veranstaltungsort, Zugang je nach Programm
Mosaikenmuseum Großer Palast 5.–7. Jh. Bodenmosaiken eines Palasthofs seit Juli 2023 geschlossen
Bukoleon-Palast 5. Jh., erweitert 9. Jh. Seefassade mit Balkonöffnungen von außen; Restaurierung angekündigt
Konstantinsäule 330 Porphyrsäule mit Eisenringen frei, von der Straße
Valens-Aquädukt um 368–373 Bogenreihe über dem Atatürk-Boulevard frei, nicht begehbar
Theodosianische Landmauer 405–413 Graben, Vor- und Hauptmauer, Tore frei entlang der Mauer, Mauerkrone meist gesperrt
Yedikule spätantikes Goldenes Tor, Festung 1458 Festung mit Türmen am Südende Museum, Öffnung vorab prüfen
Tekfur Sarayı spätes 13./frühes 14. Jh. dreistöckiger Palastbau, Fliesenausstellung Museum seit 2019, Di–So 10–18 Uhr
Hagia Sophia 532–537 Kuppel, Mosaiken der Galerie Moschee, Eintritt für Ausländer
Chora-Kirche um 1077–1081, Ausstattung um 1315–1321 Mosaiken und Fresken Moschee, Eintritt, freitags zu

Rundgang: Byzanz in anderthalb Tagen

Ein voller Tag in Sultanahmet und ein halber Tag an der Landmauer reichen, um die wichtigsten Spuren von Byzanz zu sehen. Die Reihenfolge berücksichtigt Gebetszeiten und Ruhetage.

Tag 1: Sultanahmet zu Fuß

  1. 8:45 Uhr, Hagia Sophia: direkt zur Öffnung auf die Galerie, nicht an einem Freitagmittag.
  2. 10:30 Uhr, Hippodrom: die drei Monumente in Ruhe anschauen, die Sockelreliefs des Obelisken lesen.
  3. 11:15 Uhr, Basilika-Zisterne: unterirdisch und kühl, ideal vor der Mittagshitze.
  4. 12:00 Uhr, Binbirdirek und Konstantinsäule: fünf Minuten zur Binbirdirek, dann über den Divanyolu, die alte Mese, zur Säule in Çemberlitaş.
  5. 13:00 Uhr, Mittagspause in der Altstadt.
  6. 14:30 Uhr, Kleine Hagia Sophia und Bukoleon: bergab zum Marmarameer, von dort zur Seefassade des Bukoleon.
  7. Optional: das Archäologische Museum mit dem Kopf der Schlangensäule.

Tag 2 (halber Tag): Landmauer, Tekfur Sarayı und Chora

  1. Valens-Aquädukt: kurzer Halt auf dem Weg, am besten mit dem Taxi.
  2. Chora-Kirche: etwa eine Stunde für Mosaiken und Fresken (nicht freitags).
  3. Edirnekapı: ein Stück an der Landmauer entlang, wo Mehmed II. 1453 einzog.
  4. Tekfur Sarayı: etwa 45 Minuten, nicht montags.

Daraus folgt: Der halbe Tag passt am besten auf Dienstag bis Donnerstag oder Samstag/Sonntag. Wer mehr Zeit hat, ergänzt Yedikule und das Goldene Tor am Südende. Wie sich das in einen Stadtaufenthalt einfügt, zeigt unser Programm Istanbul in 4 Tagen; die angenehmsten Monate nennt der Ratgeber zur besten Reisezeit.

Byzanz mit İznik und einer Rundreise verbinden

Wer Byzanz vertiefen möchte, verbindet Istanbul mit İznik, dem antiken Nicäa, wo 325 das Erste Ökumenische Konzil tagte und 787 das Siebte. Von 1204 bis 1261 war Nicäa zudem Hauptstadt des byzantinischen Exilreiches, von dem aus Michael VIII. Konstantinopel zurückeroberte. Anfahrt und Sehenswürdigkeiten stehen im Porträt İznik (Nicäa).

Beide Orte kombiniert unsere Reise Byzanz: Istanbul und İznik mit Reiseleitung, eigenem Fahrzeug und Zeit für die weniger bekannten Orte an der Landmauer. Dabei legen wir Chora und Tekfur Sarayı nicht auf Freitag oder Montag.

Für Gruppen, Gemeinden und Studienreisen

Für Kirchengemeinden, Studienkreise, Volkshochschulen, Schulen und Vereine organisieren wir Programme mit byzantinischem Schwerpunkt: ein eigener Bus mit Fahrer, eine deutschsprachige Reiseleitung mit kunsthistorischem oder althistorischem Hintergrund und Fachführungen in Hagia Sophia, Chora-Kirche und an der Landmauer. Auf Wunsch fragen wir Andachten in lebenden Kirchen an; in Bauten, die heute Moscheen oder Museen sind, ist das nicht möglich. Die Termine sind flexibel; schreiben Sie uns über das Anfrageformular.

Passende Rundreisen

Häufige Fragen

Wie heißt Konstantinopel heute, und wo liegt Byzanz?

Konstantinopel heißt heute Istanbul und liegt in der Türkei am Bosporus; Byzanz, Konstantinopel und Istanbul sind dieselbe Stadt in drei Epochen. Byzantion war eine griechische Kolonie aus Megara, gegründet nach antiker Überlieferung um 667 oder 656 v. Chr. Kaiser Konstantin der Große weihte sie am 11. Mai 330 n. Chr. als neue Hauptstadt, danach hieß sie Konstantinopel. Nach der osmanischen Eroberung 1453 setzte sich der Name Istanbul durch; offizieller Name ist er seit dem 28. März 1930.

Welche byzantinischen Sehenswürdigkeiten gibt es in Istanbul?

Die wichtigsten sind die Hagia Sophia, das Hippodrom mit seinen drei Monumenten, die Basilika-Zisterne, die Binbirdirek-Zisterne, die Konstantinsäule in Çemberlitaş, der Valens-Aquädukt, die Theodosianische Landmauer, der Tekfur Sarayı und die Chora-Kirche. Hinzu kommen weitere ehemalige Kirchen wie die Hagia Irene, die Kleine Hagia Sophia und das Pantokrator-Kloster.

Ist die Basilika-Zisterne geöffnet?

Ja. Nach einem Betreiberwechsel von der Stadt Istanbul zur staatlichen Generaldirektion für Stiftungen wurde sie am 6. Juni 2026 wieder für Besucher geöffnet. Gegen die Übergabe läuft ein Verwaltungsrechtsstreit. Einen offiziell veröffentlichten Eintrittspreis für ausländische Besucher haben wir nicht gefunden; prüfen Sie Preis und Öffnungszeiten kurz vor dem Besuch (Stand Oktober 2026).

Kann man das Mosaikenmuseum des Großen Palastes besuchen?

Derzeit nicht. Das Museum am Arasta-Basar hinter der Blauen Moschee ist seit Juli 2023 wegen Restaurierung geschlossen, und ein Wiedereröffnungstermin ist nicht bekannt (Stand Oktober 2026). Gezeigt werden dort Bodenmosaiken aus einem Säulenhof des kaiserlichen Palastes aus dem 5. bis 7. Jahrhundert.

Kann man auf der Theodosianischen Landmauer laufen?

Entlang der Mauer ja, auf der Mauerkrone meist nicht. Viele Treppen sind gesperrt oder durch Gittertore verschlossen, und lose Steine sind ein echtes Risiko. Gut zugänglich sind die Abschnitte an den Toren Edirnekapı, Topkapı und Belgradkapı sowie die Festung Yedikule am Südende. Die ganze Strecke von etwa sechs bis sieben Kilometern ist ein städtischer Fußmarsch von rund vier Stunden.

Wie viel Zeit braucht man für das byzantinische Istanbul?

Planen Sie mindestens anderthalb Tage ein. Ein voller Tag reicht für Hippodrom, Hagia Sophia, die Zisternen, die Konstantinsäule und die Kleine Hagia Sophia in Sultanahmet. Ein halber Tag kommt für die Landmauer bei Edirnekapı, den Tekfur Sarayı und die Chora-Kirche dazu. Wer İznik, das antike Nicäa, sehen möchte, braucht einen weiteren Tag.

Quellen & weiterführende Informationen

  1. UNESCO World Heritage Centre: Historic Areas of Istanbul (1985, vier Teilbereiche) (whc.unesco.org)
  2. Wikipedia: Istanbul (Einwohner 2025, Name seit 28.03.1930, Fatih) (en.wikipedia.org)
  3. Wikipedia: Names of Istanbul (offizieller Name 1930) (en.wikipedia.org)
  4. Le Petit Journal: Quand Istanbul prit le nom Istanbul (lepetitjournal.com)
  5. Wikipedia: Byzantium (Gründung durch Megara, Severus, Neugründung durch Konstantin) (en.wikipedia.org)
  6. Wikipedia: Constantinople (Weihe 330, Justinian, 1204, 1261, Eroberung 1453) (en.wikipedia.org)
  7. Wikipedia: Hippodrome of Constantinople (Maße, Nika-Aufstand, Quadriga) (en.wikipedia.org)
  8. Wikipedia: Obelisk of Theodosius (Thutmosis III., Aufstellung 390, Sockelreliefs) (en.wikipedia.org)
  9. Wikipedia: Serpent Column (Plataiai 479 v. Chr., Inschrift, Verlust der Köpfe 1700) (en.wikipedia.org)
  10. Wikipedia: Walled Obelisk (Konstantin VII., Bronzeplatten, 1204) (en.wikipedia.org)
  11. Wikipedia: Basilica Cistern (Maße, 336 Säulen, Medusenköpfe, Restaurierung bis 2022) (en.wikipedia.org)
  12. Daily Sabah: Istanbul's Basilica Cistern reopens after restoration (24.07.2022) (dailysabah.com)
  13. Habertürk: Bakım çalışmaları tamamlandı, Yerebatan Sarnıcı yeniden açıldı (Juni 2026) (haberturk.com)
  14. Milliyet: Yerebatan Sarnıcı açık mı kapalı mı? (04.06.2026) (milliyet.com.tr)
  15. Wikipedia: Cistern of Philoxenos (Binbirdirek, 224 Säulen) (en.wikipedia.org)
  16. İstiklal: Binbirdirek-Zisterne unter dem Sultanahmet-Platz (02.08.2025) (istiklal.com.tr)
  17. Wikipedia: Great Palace Mosaic Museum (Ausgrabung St Andrews, Schließung Juli 2023) (en.wikipedia.org)
  18. Küre Ansiklopedi: Büyük Saray Mozaikleri Müzesi (Eröffnung 1953, Restaurierung 1982–1997) (kureansiklopedi.com)
  19. istanbul.com: Büyük Saray Mozaikleri Müzesi (vorübergehend geschlossen, aktualisiert 2026) (istanbul.com)
  20. Turkey Travel Planner: Great Palace Mosaic Museum (turkeytravelplanner.com)
  21. Wikipedia: Bucoleon Palace (Theodosius II., Theophilos, Bahnbau 1873) (en.wikipedia.org)
  22. CNN Türk: 1610 yıllık Bukoleon Sarayı açık hava müzesi oluyor (2018) (cnnturk.com)
  23. Wikipedia: Column of Constantine (Weihe 330, Sturz der Statue 1106, Eisenringe) (en.wikipedia.org)
  24. Wikipedia: Valens Aqueduct (Länge, Höhe, osmanische Reparaturen) (en.wikipedia.org)
  25. İstiklal: Bozdoğan Kemeri'nde restorasyonun yüzde 95'i tamamlandı (İSKİ, 2022) (istiklal.com.tr)
  26. Wikipedia: Walls of Constantinople (Theodosianische Landmauer, Tore, Restaurierung) (en.wikipedia.org)
  27. Turkey Travel Planner: Byzantine City Walls, Istanbul (turkeytravelplanner.com)
  28. Away Go We: Istanbul Walls – Self-Guided Walking Tour (aktualisiert Juli 2024) (awaygowe.com)
  29. Sözcü: İstanbul'un savunma sistemi Kara Surları tehlike altında (04.05.2020) (sozcu.com.tr)
  30. TÜROB: Istanbul's land walls are being restored (İBB Miras, 2022) (turob.com)
  31. GoTürkiye: İstanbul Surları (Yedikule, Gärten, Spaziergang) (goturkiye.com)
  32. Wikipedia: Palace of the Porphyrogenitus (Tekfur Sarayı, Fliesenmanufaktur ab 1719) (en.wikipedia.org)
  33. Emlak Kulisi: Tekfur Sarayı müze olarak kapılarını açtı (18.06.2019) (emlakkulisi.com)
  34. İBB Atatürk Kitaplığı: Tekfur Palace Museum (Öffnungszeiten, Ausstellung) (ataturkkitapligi.ibb.gov.tr)

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