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Karawansereien in der Türkei: Seldschuken-Hane an der Seidenstraße

Illustration Karawanserei an der Seidenstraße: seldschukisches Portal mit Spitzbogen und Mauerwerk in der Steppe

Kurz & bündig

Eine Karawanserei (türkisch kervansaray oder han) ist eine befestigte Raststation für Händler, ihre Tiere und Waren. In Anatolien ließen vor allem die Rum-Seldschuken im 13. Jahrhundert ein dichtes Netz solcher Bauten errichten, im Mittel etwa 30 Kilometer oder eine Tagesetappe voneinander entfernt; die UNESCO-Tentativliste nennt rund 250 bekannte Karawansereien in Anatolien. Die größte ist Sultanhanı bei Aksaray, laut Bauinschrift 1229 unter Sultan Alaeddin Keykubad I. errichtet. Sehenswert sind außerdem Ağzıkara Han und Sarıhan bei Kappadokien, Karatay Han bei Kayseri, Alarahan bei Alanya sowie osmanische Stadt-Hane wie der Koza Han in Bursa.

Zuletzt aktualisiert:

Begriff
Kervansaray (Persisch kārvān + sarāy), in Anatolien meist Han genannt
Blütezeit
Rum-Seldschuken, späte 12. bis spätes 13. Jahrhundert
Abstand
Eine Tagesetappe (menzil), im Mittel rund 30 km bzw. etwa 6 Stunden
Größte Anlage
Sultanhanı (Aksaray), 1229, rund 4.900 m²
UNESCO
Seit 2000 auf der Tentativliste: Seldschuken-Karawansereien Denizli–Doğubeyazıt
Auf unseren Touren
Sultanhanı auf allen Routen Konya–Kappadokien, weitere Hane auf Wunsch

Was ist eine Karawanserei?

Eine Karawanserei ist eine befestigte Raststation an einer Handelsstraße, in der Kaufleute mit ihren Tieren und Waren sicher übernachten konnten. Das Wort kommt aus dem Persischen: kārvān bedeutet Karawane, sarāy ein Gebäude mit umschlossenem Hof. Im Türkischen heißt der Bau kervansaray oder einfach han, ein Wort, das auf das mittelpersische xānag für „Haus“ zurückgeht.

In der Fachliteratur wird meist unterschieden: Kervansaray ist die Station an der Überlandstraße, Han das Handels- und Gästehaus in der Stadt. Ältere Texte sprechen auch von ribât, ursprünglich einer Grenzfestung, aus der sich der Bautyp entwickelte. Im Alltag verschwimmen die Begriffe. Der berühmteste Bau, Sultanhanı, trägt das Wort Han im Namen, obwohl er mitten auf dem Land liegt.

Wer mit dem Auto durch Zentralanatolien fährt, sieht die Bauten noch heute: festungsartige Rechtecke aus Haustein, mit Türmen an den Mauern und einem hohen, verzierten Portal. Die bedeutendsten liegen zwischen Konya, Aksaray und Kayseri, also genau auf der Strecke, die die meisten Rundreisen nach Kappadokien nehmen. Einen Überblick über die älteren Epochen, von Hethitern bis Römern, gibt unser Ratgeber zu den antiken Stätten der Türkei; diese Seite setzt dort an, wo die Antike endet.

Warum bauten die Seldschuken so viele Karawansereien?

Die Rum-Seldschuken bauten das Netz, um den Fernhandel durch Anatolien zu lenken und zu schützen. Ihr Sultanat mit der Hauptstadt Konya kontrollierte ab dem frühen 13. Jahrhundert sowohl Häfen am Mittelmeer als auch am Schwarzen Meer: Gıyaseddin Keyhüsrev I. eroberte 1207 Antalya, İzzeddin Keykavus I. 1214 Sinop, und Alaeddin Keykubad I. übernahm 1221 die Hafenstadt, die heute Alanya heißt.

Damit lag Anatolien zwischen den Seehäfen und den Handelswegen nach Iran und Zentralasien. Waren aus dem Osten konnten über das Hochland an die Küsten gebracht werden, wo genuesische und venezianische Kaufleute warteten. Um diesen Verkehr sicher zu machen, stifteten Sultane, ihre Mütter, Atabeys und Statthalter Raststationen in regelmäßigen Abständen.

Die Zahlen gehen je nach Zählweise auseinander. Die englischsprachige Wikipedia-Liste der datierten Seldschuken-Hane führt 43 Bauten zwischen etwa 1156 und 1292 auf. Die Beschreibung auf der UNESCO-Tentativliste spricht von rund 250 bekannten Karawansereien in Anatolien insgesamt, rund 40 davon an der Achse von Denizli nach Doğubeyazıt. Laut der Enzyklopädie der türkischen Religionsstiftung (TDV) sind etwa neun der erhaltenen Seldschuken-Hane direkte Stiftungen von Sultanen; man nennt sie Sultan-Hane.

Was bekam ein Händler in der Karawanserei?

Reisende waren drei Tage lang Gäste des Stifters und zahlten nichts, das betonen sowohl die TDV-Enzyklopädie als auch die türkische Kure-Enzyklopädie. Dazu gehörten Unterkunft, Essen und Futter. Größere Anlagen boten außerdem ein Bad, eine Moschee, Ställe, einen Hufschmied, Tierarzt, Arzneien und bei Bedarf einen Arzt; arme Reisende sollen sogar Schuhe erhalten haben. Bezahlt wurde das aus frommen Stiftungen (vakıf), deren Ländereien und Läden laufende Einnahmen brachten.

Wie weit lagen die Karawansereien auseinander?

Etwa eine Tagesetappe, im Türkischen menzil genannt. Die UNESCO-Beschreibung des Kulturministeriums beziffert die durchschnittliche Etappe auf rund 30 Kilometer oder etwa sechs Stunden Reise, in schwierigem Gelände kamen rund zwei Stunden hinzu. Die Stationen standen so, dass eine Karawane jeden Abend eine erreichte.

Auf der Straße von Konya nach Aksaray lässt sich das noch nachvollziehen. Nach Angaben des Kulturministeriums liegt der Zazadin Han 22 Kilometer von Konya entfernt, Obruk Han rund 70 Kilometer und Sultanhanı rund 110 Kilometer. Zwischen den drei Bauten liegen also jeweils etwa 40 bis 48 Kilometer, dazwischen standen weitere, heute verschwundene oder kleinere Stationen.

Wie ist eine seldschukische Karawanserei aufgebaut?

Die klassische Sultan-Han-Anlage besteht aus zwei Teilen: einem offenen Hof für die warme Jahreszeit und einer überdachten Halle für den Winter. Beide liegen hintereinander auf einer Achse, das Ganze umgibt eine hohe Mauer aus Haustein mit Strebetürmen. Das Kulturministerium spricht von einem Sommer- und einem Winterteil.

Das Portal (Taçkapı)

Das Prunkstück jeder Karawanserei ist das monumentale Portal, türkisch taçkapı. Es springt aus der Fassade vor, ist oft höher als die Mauer und mit geometrischen Flechtbändern, Sternmustern und Muqarnas, einer Art steinerner Stalaktitengewölbe, geschmückt. Am Sultanhanı bei Aksaray ist das Marmorportal rund 13 Meter hoch. Das Portal war Machtdemonstration: Hier stand in der Bauinschrift, welcher Sultan oder Würdenträger die Anlage gestiftet hatte.

Der Innenhof (Avlu)

Hinter dem Portal öffnet sich der Hof, gesäumt von gewölbten Arkaden und Räumen. Hier lagen Ställe, Schlafräume, Lager, ein Bad und eine Küche. Im Sommer lebte das Leben der Karawane im Freien, die Tiere standen unter den Arkaden.

Die Hofmoschee (Köşk-Mescit)

In der Mitte vieler Höfe steht eine kleine Moschee auf Bögen, der Köşk-Mescit, zu der eine Treppe hinaufführt. Die Kiosk-Moschee im Sultanhanı bei Aksaray gilt als ältestes erhaltenes Beispiel dieses Typs in der Türkei. Andere Anlagen haben den Gebetsraum über dem Eingang, etwa der Sarıhan bei Avanos.

Die Winterhalle

Durch ein zweites, ebenfalls verziertes Portal gelangt man in die gedeckte Halle. Sie ist in drei, fünf oder sieben Schiffe gegliedert, mit Tonnengewölben über Pfeilern und oft einer Kuppel mit Lichtöffnung in der Mitte. Die Halle erinnert viele Besucher an eine Kirche. Hier überwinterten Menschen und Tiere gemeinsam, die Körperwärme der Tiere half gegen die Kälte des Hochlands.

Im Osten Anatoliens sind die Bauten kleiner, quadratischer und noch stärker befestigt, im Westen gibt es auch U-förmige Grundrisse. Das klassische Hof-plus-Halle-Schema sieht man am besten zwischen Konya und Kayseri.

Auf welchen Routen lagen die Karawansereien?

Die wichtigste Achse war die Straße von Konya über Aksaray und Kayseri nach Sivas und weiter Richtung Iran. Der Abschnitt bei Aksaray wird in der Literatur als Uzun Yol, „lange Straße“, bezeichnet. Hier stehen Sultanhanı (Aksaray–Konya), Ağzıkara Han und Alay Han (Aksaray–Kayseri) sowie ein zweiter Sultanhanı an der Straße Kayseri–Sivas.

Eine zweite Linie verband die Mittelmeerhäfen mit der Hauptstadt. Von Antalya führte sie über den Taurus Richtung Isparta und Burdur, mit Evdir Han, Kırkgöz Han, İncir Han und Susuz Han. Von Alanya aus sicherte Alarahan den Weg ins Hinterland. Weitere Hane lagen an den Straßen von Denizli nach Eğirdir, von Konya nach Beyşehir und Akşehir, von Kayseri nach Malatya und im Norden zwischen Amasya und Tokat.

Seidenstraße: Mythos und Fakten

Der Begriff „Seidenstraße“ ist jünger, als viele glauben. Bekannt gemacht hat ihn 1877 der deutsche Geograf Ferdinand von Richthofen, und erst im 20. Jahrhundert wurde er allgemein üblich. Die Händler des 13. Jahrhunderts sprachen nicht von einer Seidenstraße.

Es gab auch nicht die eine Straße, sondern ein Netz aus Routen mit vielen Abzweigungen, auf denen Waren über zahlreiche Zwischenhändler weitergereicht wurden. Seide war nur eine Ware unter vielen; gehandelt wurden ebenso Gewürze, Farbstoffe, Porzellan, Pferde, Wein und Glas. Die anatolischen Karawansereien dienten deshalb nicht nur dem Fernhandel mit China, sondern zu einem großen Teil dem regionalen Verkehr zwischen Iran, den anatolischen Städten und den Häfen.

Richtig ist: Anatolien war ein Teilstück dieses Netzes, und die Seldschuken-Hane sind die am besten erhaltenen Zeugnisse davon. Nach der Niederlage gegen die Mongolen am Kösedağ 1243 wurde das Sultanat tributpflichtig, neue Großbauten wurden seltener. Mit dem Aufstieg der Osmanen und der Verlagerung des Welthandels auf die Seewege verloren die Landrouten an Bedeutung; manche Karawanserei wurde Derwischkonvent, andere verfielen.

Die wichtigsten Karawansereien der Türkei

Die folgende Übersicht nennt die Hane, die Sie auf einer Reise am ehesten besuchen. Bei mehreren Bauten weichen die Datierungen zwischen den Quellen ab, weil Inschriften sich nur auf einzelne Bauteile beziehen oder unterschiedlich gelesen werden; wir geben die Spannen an.

Han Ort Baujahr Besonderheit Auf welcher unserer Routen
Sultanhanı Sultanhanı, 42 km westlich von Aksaray 1229, Erneuerung 1278 größte Seldschuken-Karawanserei, Kiosk-Moschee Rundreise ab Antalya, 10 und 14 Tage, Rundreise mit Badeurlaub
Ağzıkara Han 17 km nordöstlich von Aksaray, Straße nach Nevşehir Inschriften 1231 bis 1240 reich verziertes Portal, Moschee auf vier Pfeilern auf Wunsch, z. B. am Ihlara-Tag in Kappadokien
Sarıhan bei Avanos, Kappadokien 13. Jh., meist um 1238 bis 1249 datiert Moschee über dem Portal, abends Sema-Vorführung auf Wunsch bei jedem Kappadokien-Aufenthalt
Karatay Han Dorf Karadayı bei Bünyan, östlich von Kayseri 1240/41 Tier- und Fabelwesenreliefs auf Wunsch auf der 3-Wochen-Rundreise (Kayseri–Malatya)
Alarahan am Fluss Alara, zwischen Manavgat und Alanya 1231 (Ministerium: 1229/30) kompakter, rundum geschlossener Bau unter der Burg Alara Ausflug ab Side oder Alanya
Obruk Han Straße Konya–Aksaray, rund 70 km von Konya 13. Jh., keine Inschrift neben dem Einsturzsee Kızören Obruğu auf Wunsch als Fotostopp Konya–Kappadokien
Koza Han Bursa, Basarviertel 1490/91 osmanischer Seidenhan, UNESCO-Welterbe auf Anfrage als Ergänzung Istanbul–Bursa
Büyük Valide Han Istanbul, beim Großen Basar ab 1651 größter historischer Han Istanbuls Istanbul-Tage aller Rundreisen, auf Wunsch

Sultanhanı (Aksaray)

Sultanhanı ist laut Bauinschrift 1229 unter Sultan Alaeddin Keykubad I. entstanden, als Architekt nennt die Inschrift Muhammad ibn Khalwan aus Damaskus. Nach einem Brand ließ der Statthalter Seraceddin Ahmed 1278 die Anlage wiederherstellen und erweitern. Mit rund 4.900 Quadratmetern ist sie die größte seldschukische Karawanserei Anatoliens; das Kulturministerium gibt knapp 4.990 Quadratmeter an.

Heute sehen Sie das hohe Marmorportal an der Ostseite, den 44 mal 58 Meter großen Hof mit der Kiosk-Moschee auf vier Bögen und die gewaltige Winterhalle mit ihrer Mittelkuppel. Zwischen 2017 und 2019 wurde der Bau umfassend restauriert. Für den Rundgang genügen 30 bis 45 Minuten; den aktuellen Eintrittspreis konnten wir bei keiner offiziellen Stelle prüfen. Mehr zur Etappe zwischen Konya und Kappadokien lesen Sie im Porträt von Konya.

Ağzıkara Han (Aksaray)

Ağzıkara Han liegt 17 Kilometer von Aksaray an der Straße nach Nevşehir und heißt nach seinem Stifter auch Hoca-Mesud-Han. Er ist keine Sultansstiftung, sondern der Bau eines wohlhabenden Privatmanns. Laut Inschriften wurde die überdachte Halle 1231 unter Alaeddin Keykubad I. vollendet und der Hof unter seinem Nachfolger Gıyaseddin Keyhüsrev II. ergänzt; die Quellen geben dafür Jahre zwischen 1236 und 1240 an.

Sehenswert sind das prachtvolle Muqarnas-Portal und die Hofmoschee auf vier Pfeilern. Die Kuppel der Halle ist verloren. Weil Ağzıkara Han an der Straße von Aksaray nach Kappadokien steht, liegt er praktisch auf dem Weg, wenn Sie einen Tag im Ihlara-Tal verbringen.

Sarıhan (Avanos, Kappadokien)

Der Sarıhan, „Gelber Han“, steht im Tal des Damsa-Bachs nahe dem Kızılırmak, rund sechs Kilometer von Avanos. Den Namen verdankt er dem gelblichen Vulkanstein. Die Datierung ist unsicher: Häufig wird 1249 unter Izzeddin Keykavus II. genannt, das Kulturministerium schätzt ihn auf 1238, und die Kure-Enzyklopädie hält eine Entstehung in zwei Phasen in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts für wahrscheinlich.

Eine Besonderheit ist die kleine Moschee direkt über dem Eingang statt im Hof. 1940 wurden Steine für einen Brückenbau abgetragen, die Stiftungsverwaltung restaurierte den Bau 1986 bis 1991. Heute betreibt ein Privatunternehmen den Han als Kulturzentrum mit abendlichen Sema-Vorführungen der Mevlevi-Derwische. Was die Zeremonie bedeutet und wo Sie sie außerdem erleben, erklärt unser Ratgeber zu den tanzenden Derwischen. Kinder unter zehn Jahren werden laut Turkish Archaeological News nicht eingelassen, Fotografieren ist während der Zeremonie nicht erlaubt.

Karatay Han (Kayseri)

Der Karatay Han liegt im Dorf Karadayı bei Bünyan an der alten Straße von Kayseri nach Malatya. Gestiftet hat ihn der Wesir Celaleddin Karatay, Inschriften datieren Eingangs- und Hofteil auf 638 der Hidschra, also 1240/41. Die Mauern verstärken 18 Türme.

Bemerkenswert ist der figürliche Schmuck, der bei den Seldschuken seltener ist als reine Geometrie: Am Hofportal erscheinen Löwen, Stiere, Vögel und Sirenen, über dem Brunnen-Iwan rund 15 kleine Tierfiguren in Muqarnas-Nischen. Im 16. Jahrhundert wurde der Han zum Derwischkonvent. Der Abstecher lohnt sich vor allem für kunsthistorisch Interessierte, die von Kappadokien nach Osten weiterfahren.

Alarahan (bei Alanya)

Alarahan steht am Fluss Alara unterhalb der gleichnamigen Burg, etwa neun Kilometer landeinwärts von der Küstenstraße bei Okurcalar. Die Inschrift über dem Eingang nennt 1231 und Sultan Alaeddin Keykubad I., das Kulturministerium gibt 1229/30 an. Die Anlage ist ungewöhnlich: Hof und Räume liegen in einem rundum geschlossenen Block mit bis zu zwei Meter dicken Kalksteinmauern.

Nach dem Verfall im 19. Jahrhundert wurde der Han um 2001 restauriert und von einem Privatunternehmen übernommen. Er dient heute als Kulturzentrum und Kulisse für „Türkische Abende“; tagsüber kann man ihn besichtigen. Die Kombination mit der Burg Alara ist ein beliebter Halbtagesausflug ab Side oder Alanya.

Obruk Han (Konya)

Obruk Han liegt an der Straße von Konya nach Aksaray, rund 70 Kilometer von Konya, direkt am Rand des Kızören Obruğu, eines tiefen Einsturztrichters mit See. Eine Bauinschrift ist nicht erhalten, der Bau wird ins 13. Jahrhundert datiert. Die Gemeinde Karatay hat ihn restauriert und 2022 für Besucher geöffnet. Für einen Fotostopp mit Blick in den Trichter genügen 20 Minuten.

Osmanische Stadt-Hane: Bursa und Istanbul

Die Osmanen bauten Hane vor allem in den Städten, als mehrstöckige Handels- und Lagerhäuser um einen Hof. An den Überlandstraßen entstanden zusätzlich Stationen entlang der Post- und Heerwege, oft als Teil einer Stiftungsanlage mit Moschee. Die osmanischen Bauten wirken weniger wie Festungen und haben häufig Läden zur Straße hin. Mehr zur Baukunst dieser Epoche finden Sie in unserem Ratgeber zum osmanischen Erbe der Türkei.

Koza Han (Bursa)

Der Koza Han, „Han der Seidenkokons“, wurde 1490 von Sultan Bayezid II. in Auftrag gegeben und im September 1491 eröffnet. Bursa war das Zentrum der osmanischen Seidenproduktion, hier wurden Kokons gehandelt und Stoffe verkauft. Im zweistöckigen Hof von rund 46 mal 38 Metern steht eine kleine achteckige Moschee auf acht Pfeilern über einem Waschbrunnen. Seit 2014 gehört der Han zum UNESCO-Welterbe „Bursa und Cumalıkızık: die Geburt des Osmanischen Reiches“. Heute sitzen hier Seidenläden und Teegärten.

Büyük Valide Han (Istanbul)

Der Büyük Valide Han zwischen dem Großen Basar und Eminönü ließ Kösem Valide Sultan ab 1651 errichten. Er ist der größte historische Han Istanbuls, Ende des 18. Jahrhunderts zählte er 366 Räume um einen Haupthof von 55 Metern Seitenlänge und zwei kleinere Höfe. Früher handelten hier vor allem iranische Kaufleute mit Seide und Teppichen. Der Bau ist stark verfallen, Werkstätten und Büros nutzen ihn bis heute. Viele Besucher kommen wegen des Blicks vom Dach; ob ein Zugang möglich ist, hängt vom Tag ab, und die Wege sind uneben.

Kann man heute in einer Karawanserei übernachten?

Ja, aber nur in wenigen, meist osmanischen Bauten. Die großen Seldschuken-Hane Zentralanatoliens sind Denkmäler; Übernachtungen sind dort nicht möglich.

  • Rüstem-Paşa-Kervansaray, Edirne: 1561 von Mimar Sinan für den Großwesir Rüstem Pascha gebaut, seit dem Umbau 1972 ein Hotel mit 110 Zimmern; das Innere wurde 2016 bis 2018 erneuert.
  • Öküz-Mehmed-Paşa-Kervansaray, Kuşadası: 1615 bis 1618 errichtet, nach der Restaurierung ab 1968 Hotel, seit 1978 betrieben als Club Caravanserail mit 25 Zimmern und einer Suite.

Für Obruk Han hat die Gemeinde Gastronomie und Unterkünfte angekündigt; ob und wann sie eröffnen, konnten wir nicht prüfen. Viele Hotels in der Türkei tragen „Kervansaray“ im Namen, ohne in einem historischen Bau zu liegen. Fragen Sie im Zweifel nach.

Ist die Karawanserei-Route UNESCO-Welterbe?

Nein, noch nicht. Seit dem 25. Februar 2000 steht die Serie „Seldschukische Karawansereien an der Route von Denizli nach Doğubeyazıt“ auf der Tentativliste der Türkei, also der Vorschlagsliste für künftige Nominierungen. Eingereicht hat sie das Kulturministerium. Genannt werden unter anderem Akhan, Ertokuş Han, Zazadin Han, Obruk Han, Ağzıkara Han, zwei Sultan-Hane, Öresin Han und der Mama-Hatun-Kervansaray.

Eine Einschreibung in die eigentliche Welterbeliste gibt es bisher nicht. Einzelne osmanische Hane gehören dagegen über größere Welterbestätten dazu, etwa der Koza Han über das Welterbe Bursa.

Karawansereien auf einer Rundreise erleben

Die meisten Reisenden sehen ihre erste Karawanserei auf der Fahrt zwischen Konya und Kappadokien, und das ist auch die sinnvollste Gelegenheit. Sultanhanı liegt direkt an dieser Strecke und ist auf der Rundreise ab Antalya, der 10-tägigen Rundreise und unseren längeren Routen ein fester Halt. Wer früher losfährt, kann Zazadin Han oder Obruk Han als kurze Zusatzstopps einplanen.

In Kappadokien selbst lassen sich Ağzıkara Han, etwa auf dem Weg ins Ihlara-Tal, und ein Sema-Abend im Sarıhan gut in den Aufenthalt einbauen. Das gilt auch für die Flugvariante Istanbul und Kappadokien, die ohne lange Überlandfahrten auskommt. Auf der Rundreise über drei Wochen führt der Weg von Kappadokien über Kayseri nach Malatya, der Karatay Han liegt dann in der Nähe der Strecke.

An der Riviera ist Alarahan der naheliegende Ausflug. Für eine Bursa-Ergänzung mit dem Koza Han planen wir am besten einen eigenen Tag ab Istanbul ein.

Für Studienkreise, Volkshochschulen und Vereine mit Interesse an islamischer Architektur stellen wir auf Wunsch eine eigene Karawanserei-Route zusammen, mit eigenem Bus, deutschsprachiger Reiseleitung mit kunsthistorischem Schwerpunkt und flexiblen Terminen. Teilen Sie uns über das Anfrageformular mit, welche Bauten Sie interessieren, dann prüfen wir Strecken und Fahrzeiten.

Praktische Tipps für den Besuch

Die Seldschuken-Hane stehen meist frei an Landstraßen, Schatten gibt es nur in der Winterhalle. Im Sommer sind die Höfe mittags heiß, im Winter bläst auf dem Hochland ein kalter Wind; der Frühling und der Herbst sind die angenehmsten Zeiten.

  • Öffnungszeiten: Bei kleineren Hanen öffnet oft ein Wärter. Für Sultanhanı nennt Turkey Travel Planner etwa 9 bis 18.30 Uhr, die Zeiten können aber schwanken.
  • Licht: Die Portale liegen je nach Bau im Osten oder Westen. Für Sultanhanı ist das Morgenlicht auf dem Ostportal am besten.
  • Schuhe: Treppen zu den Hofmoscheen haben hohe, abgetretene Stufen, Böden sind uneben.
  • Rücksicht: Die Hofmoscheen sind kleine Gebetsräume; Schuhe ausziehen, wenn Sie hineingehen.
  • Kombinieren: Planen Sie Karawansereien als Halt auf Fahrtagen, nicht als eigene Tagesziele. So verkürzen sie lange Strecken, statt sie zu verlängern.

Passende Rundreisen

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Han und Karawanserei?

Eine scharfe Grenze gibt es nicht. In der Forschung bezeichnet Kervansaray eher die Raststation an der Überlandstraße, Han eher das Handels- und Gästehaus in der Stadt. Im Türkischen werden beide Wörter aber auch für dieselben Bauten verwendet, etwa beim Sultanhanı, der an einer Landstraße liegt.

Welche Karawanserei in der Türkei ist die größte?

Sultanhanı an der Straße zwischen Konya und Aksaray. Die Anlage von 1229 bedeckt rund 4.900 Quadratmeter und gilt als größte seldschukische Karawanserei Anatoliens. Ihr Marmorportal ist etwa 13 Meter hoch, der offene Hof misst rund 44 mal 58 Meter.

Mussten Händler in einer Karawanserei bezahlen?

In den seldschukischen Stiftungsbauten nicht. Nach den Stiftungsregeln waren Reisende drei Tage lang Gäste des Stifters und erhielten Unterkunft, Essen und Futter für die Tiere kostenlos. Finanziert wurde das über fromme Stiftungen (vakıf), denen Ländereien, Läden oder Bäder Einnahmen brachten.

Kann man in einer Karawanserei übernachten?

Ja, in einigen umgebauten Bauten. Der Rüstem-Paşa-Kervansaray in Edirne, 1561 von Mimar Sinan errichtet, ist seit 1972 ein Hotel, ebenso die Karawanserei des Öküz Mehmed Pascha in Kuşadası. Die großen Seldschuken-Hane in Zentralanatolien sind dagegen Denkmäler ohne Übernachtung.

Wo kann man in Kappadokien eine Sema-Zeremonie in einer Karawanserei sehen?

Im Sarıhan bei Avanos. Die Karawanserei aus dem 13. Jahrhundert wird als Kulturzentrum betrieben und zeigt abends Sema-Vorführungen der Mevlevi-Derwische. Plätze sollten vorab reserviert werden; Beginnzeiten und Altersgrenzen erfragen Sie am besten über Ihr Hotel oder Ihre Reiseleitung.

Wie viel Zeit braucht man für Sultanhanı?

Für Portal, Hof, Moschee und Winterhalle reichen 30 bis 45 Minuten. Die Anlage liegt direkt an der Straße zwischen Konya und Aksaray, rund 110 Kilometer von Konya und 42 Kilometer von Aksaray entfernt, und ist damit ein natürlicher Halt auf der Fahrt nach Kappadokien.

Quellen & weiterführende Informationen

  1. UNESCO World Heritage Centre: Seljuk Caravanserais on the route from Denizli to Dogubeyazit (Tentativliste, Ref. 1403) (whc.unesco.org)
  2. T.C. Kültür ve Turizm Bakanlığı: Important Inn and Caravansaries (ktb.gov.tr)
  3. T.C. Kültür ve Turizm Bakanlığı (Taşkent): Temporary List of World Heritage (taskentkulturvetanitma.ktb.gov.tr)
  4. TDV İslâm Ansiklopedisi: Kervansaray (islamansiklopedisi.org.tr)
  5. Kure Ansiklopedi: Kervansaray (kureansiklopedi.com)
  6. Kure Ansiklopedi: Avanos Sarı Han (test.kureansiklopedi.com)
  7. Kure Ansiklopedi: Karatay Hanı (kureansiklopedi.com)
  8. Wikipedia: Sultan Han (en.wikipedia.org)
  9. Wikipedia: Ağzıkara Han (en.wikipedia.org)
  10. Wikipedia: List of Seljuk caravanserais in Turkey (en.wikipedia.org)
  11. Wikipedia: Caravanserai (en.wikipedia.org)
  12. Wikipedia: Sultanate of Rum (en.wikipedia.org)
  13. Wikipedia: Kayqubad I (en.wikipedia.org)
  14. Wikipedia: Silk Road (en.wikipedia.org)
  15. Wikipedia: Koza Han (en.wikipedia.org)
  16. Wikipedia: Büyük Valide Han (en.wikipedia.org)
  17. Wikipedia: Rüstem Pasha Caravanserai (Edirne) (en.wikipedia.org)
  18. Wikipedia: Öküz Mehmed Pasha Caravanserai (en.wikipedia.org)
  19. Turkey Travel Planner: Sultan Han, Silk Road (turkeytravelplanner.com)
  20. Turkish Archaeological News: Sarı Han Caravanserai (turkisharchaeonews.net)
  21. Turkish Archaeological News: Alara Han Caravanserai (turkisharchaeonews.net)
  22. Hürriyet Daily News: Alarahan caravanserai now a major attraction (2009) (hurriyet.com.tr)
  23. Daily Sabah: Turkey's largest caravanserai on historic Silk Road to open to visitors (2019) (dailysabah.com)
  24. Cumhuriyet: Obruk gölü manzaralı 800 yıllık han ziyarete açılıyor (2022) (cumhuriyet.com.tr)
  25. Ekonomim: Mimar Sinan'ın inşa ettiği kervansaray hizmet vermeye başladı (2020) (ekonomim.com)

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