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Tur Abdin: Mor Gabriel, Midyat und die Klöster der syrisch-orthodoxen Christen

Südostanatolien, Türkei

Route: Tur Abdin Tur Abdin
Illustration Tur Abdin: syrisch-orthodoxes Kloster aus hellem Kalkstein mit Glockenturm und Kreuz auf dem Hochplateau

Kurz & bündig

Tur Abdin („Berg der Knechte Gottes“) ist ein Kalksteinplateau im Osten der Provinz Mardin um die Stadt Midyat und das traditionelle Kerngebiet der syrisch-orthodoxen Christen, die sich selbst Suryoye nennen und Turoyo sprechen, eine neuaramäische Sprache. Hier stehen Kirchen und Klöster aus dem 6. bis 8. Jahrhundert, darunter das 397 gegründete Kloster Mor Gabriel, Sitz des Metropoliten von Tur Abdin, und die Marienkirche von Hah; acht Stätten stehen seit 2021 auf der UNESCO-Vorschlagsliste. Nach dem Sayfo von 1915 und der Abwanderung ab den 1960er-Jahren leben nur noch wenige tausend Christen in der Region, einige Familien sind aus Deutschland und der Schweiz zurückgekehrt. Das Auswärtige Amt rät von nicht zwingend erforderlichen Reisen in das unmittelbare Grenzgebiet zu Syrien ab und nennt die Provinz Mardin (Stand 16.10.2026).

Zuletzt aktualisiert:

Lage
Osten der Provinz Mardin und Westen von Şırnak, zwischen Mardin und Tigris
Hauptort
Midyat, rund 1–1,25 Std. Fahrt östlich von Mardin
Wichtigste Stätten
Mor Gabriel, Deyrulzafaran, Kirchen von Midyat, Hah (Anıtlı), İwardo (Gülgöze)
UNESCO
Kirchen und Klöster von Midyat und Umgebung seit 2021 auf der Vorschlagsliste
Aufenthalt
1 Tag ab Mardin, besser 1–2 Nächte in Midyat
Sicherheit
Provinz Mardin vom Auswärtigen Amt genannt (Stand 20.10.2026), vor Reise prüfen

Was ist der Tur Abdin?

Der Tur Abdin ist ein hügeliges Kalksteinplateau im Südosten der Türkei, das den Osten der Provinz Mardin und den Teil der Provinz Şırnak westlich des Tigris umfasst. Der Name ist syrisch-aramäisch und bedeutet „Berg der Knechte Gottes“, gemeint sind die Mönche, die hier seit der Spätantike lebten. Im Süden fällt das Plateau zur mesopotamischen Ebene und zur syrischen Grenze ab, Hauptort ist Midyat.

Für die syrisch-orthodoxe Kirche ist der Tur Abdin, was der Athos für die griechische Orthodoxie ist: ein Kernland des Mönchtums. Auf engem Raum stehen Dutzende Kirchen und Klöster, von denen viele noch genutzt werden, einige seit dem 6. Jahrhundert. Die Türkei hat 2021 acht dieser Stätten als „Spätantike und mittelalterliche Kirchen und Klöster von Midyat und Umgebung“ auf die Vorschlagsliste für das UNESCO-Welterbe gesetzt; eingeschrieben sind sie noch nicht.

Diese Seite behandelt die Region östlich von Mardin. Die Stadt Mardin selbst, ihre Altstadt, Dara und die Küche beschreiben wir im Porträt Mardin. Wie der Tur Abdin in die christliche Geschichte Kleinasiens passt, von Paulus bis Byzanz, zeigt unser Überblick zu den christlichen Stätten in der Türkei.

Wer sind die Christen des Tur Abdin?

Die Christen des Tur Abdin gehören überwiegend der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien an, einer der orientalisch-orthodoxen Kirchen. Ihr Oberhaupt ist der Patriarch, heute Ignatius Aphrem II. mit Sitz in Damaskus; im Tur Abdin selbst residiert der Metropolit im Kloster Mor Gabriel.

Suryoye, Aramäer, Assyrer: Fragen der Selbstbezeichnung

Viele Gläubige nennen sich selbst Suryoye, was sinngemäß „Syrer“ bedeutet, aber nichts mit dem heutigen Staat Syrien zu tun hat. Ein Teil versteht sich als Aramäer, ein anderer als Assyrer, und die Debatte darüber wird in der Diaspora engagiert geführt. Auf Türkisch heißen sie Süryani. Wir verwenden auf dieser Seite „syrisch-orthodoxe Christen“ oder „Suryoye“ und empfehlen Ihnen, im Gespräch die Bezeichnung zu übernehmen, die Ihr Gegenüber selbst wählt.

Die Kirche trennte sich nach dem Konzil von Chalcedon 451 von der byzantinischen Reichskirche. Für die UNESCO-Bewerbung ist gerade das ein Kernargument: Der Tur Abdin wurde zum Rückzugsgebiet dieser Tradition, und in seinen Kirchen wird bis heute in klassischem Syrisch gebetet.

Turoyo: Aramäisch als Alltagssprache

Im Alltag sprechen die Christen des Tur Abdin Turoyo, das sie selbst oft Surayt nennen. Es ist eine zentralneuaramäische Sprache, verwandt mit der Sprache, die zur Zeit Jesu in Teilen des Nahen Ostens gesprochen wurde, aber nicht mit ihr identisch. Weltweit gibt es rund 100.000 Muttersprachler, die meisten leben inzwischen in der Diaspora. Die UNESCO führt Turoyo als gefährdet; in der zweiten und dritten Generation außerhalb des Tur Abdin geht die Zahl aktiver Sprecher zurück.

Geschrieben wurde lange nur klassisches Syrisch, die Sprache von Liturgie und Literatur. Heute wird Turoyo in syrischer Schrift und in einem lateinischen Alphabet geschrieben, auf das man sich 2015 auf einer Konferenz in Cambridge verständigte.

Geschichte: von den ersten Klöstern bis zur Rückkehr aus Europa

Die Geschichte des Tur Abdin reicht als christliche Region bis ins 4. Jahrhundert zurück. 397 gründeten die Asketen Mor Shmuel und Mor Shem’un das Kloster bei Qartmin, das heute Mor Gabriel heißt, 493 entstand das Kloster Mor Hananyo bei Mardin. Die ältesten erhaltenen Kirchenbauten stammen aus dem 6. Jahrhundert. Bemerkenswert ist, dass in den 150 Jahren nach der arabischen Eroberung um 640 noch fast 30 Kirchen und Klöster neu oder wieder aufgebaut wurden.

Der Sayfo 1915

Im Ersten Weltkrieg wurden die syrischen Christen im Osmanischen Reich Opfer von Massakern und Vertreibungen, die sie Sayfo nennen, syrisch für „Schwert“. Die Opferzahlen sind unsicher; die assyrisch-chaldäische Delegation nannte 1919 auf der Pariser Friedenskonferenz 250.000 Tote, andere Schätzungen reichen bis 300.000. Im Tur Abdin wurden im Juni 1915 in Midyat 100 Männer hingerichtet, danach wurde wochenlang in der Stadt gekämpft. Die Dörfer İwardo und Azakh hielten Belagerungen stand. Die Türkei weist die Einstufung als Völkermord zurück, mehrere Staaten erkennen sie an.

Abwanderung und Rückkehr

Nach 1915 blieb der Tur Abdin zunächst christlich geprägt, bis in die frühen 1960er-Jahre stellten Christen in Midyat über 90 Prozent der Einwohner. Ab den 1960er-Jahren wanderten viele als Arbeitsmigranten nach Deutschland, in die Schweiz und nach Schweden aus. Der Konflikt zwischen Staat und PKK ab 1984 beschleunigte das: Das Dorf Kafro (Elbeğendi) etwa wurde 1995 zwangsgeräumt.

Heute leben je nach Quelle nur noch 2.000 bis 4.000 Christen in der Region. In Deutschland leben laut einer Bundestagsanfrage von 2019 rund 150.000 Aramäer und Assyrer, viele mit Wurzeln im Tur Abdin. Seit den 2000er-Jahren kehren einzelne Familien zurück: 2006 zogen 17 Familien aus Augsburg, Göppingen, Trüllikon und Zürich nach Kafro und bauten das Dorf neu auf. In İwardo wurde 2025 laut Berichten eine Siedlung mit elf Häusern für Rückkehrer eingeweiht. Viele Rückkehrer leben nur im Sommer im Tur Abdin, und viele Häuser stehen leer. Für deutschsprachige Gäste heißt das: Sie treffen hier oft auf Menschen, die fließend Deutsch oder Schweizerdeutsch sprechen.

Kloster Mor Gabriel: das Zentrum des Tur Abdin

Mor Gabriel ist das wichtigste Kloster des Tur Abdin und liegt gut 20 Kilometer südöstlich von Midyat auf einer Anhöhe, etwa zwei Kilometer abseits der Hauptstraße. Es wurde 397 gegründet und gilt als eines der ältesten durchgehend bewohnten Klöster der Welt. Seinen heutigen Namen trägt es nach Mor Gabriel, der im 7. Jahrhundert Metropolit des Tur Abdin war.

Was Sie in Mor Gabriel sehen

Die Hauptkirche wurde mit Unterstützung von Kaiser Anastasios I. vollendet, nach der Überlieferung 512. Im Altarraum sind Mosaiken aus dem 6. Jahrhundert erhalten, mit Ornamenten statt Figuren. Laut UNESCO-Dossier ist sie die größte Kirche vom Querhallen-Typ in der Region. Dazu kommen die sogenannte Kuppel der Theodora, ein achteckiger Bau aus dem frühen 6. Jahrhundert, eine unterirdische Grabkapelle und die Gräber von Mönchen und Heiligen.

Mor Gabriel ist kein Museum. Hier leben der Metropolit Mor Timotheos Samuel Aktaş, der dem Kloster seit 1971 vorsteht, einige Mönche und Nonnen sowie Schüler, die Syrisch lernen. Zum Fest des Klosterheiligen kommen jedes Jahr tausende Gläubige aus Europa und der Türkei. Im August und September 2025 schloss Patriarch Aphrem II. hier einen einwöchigen Besuch im Tur Abdin ab.

Besuch: Zeiten, Führung, Kleidung

Besucher sind an allen Wochentagen willkommen, außer an kirchlichen Feiertagen. Feste Öffnungszeiten veröffentlicht das Kloster nicht; rechnen Sie mit Besuchen vom Vormittag bis zum Nachmittag und mit Pausen zur Mittags- und Gebetszeit. Die Besichtigung erfolgt in Gruppen mit Führung, die oft auf Türkisch gehalten wird, eigenständiges Herumgehen ist nicht vorgesehen. Planen Sie etwa eine Stunde ein.

Kleiden Sie sich zurückhaltend mit bedeckten Schultern und Knien. Ein Kopftuch ist für Frauen nicht vorgeschrieben. Fragen Sie vor dem Fotografieren in der Kirche nach, und fotografieren Sie Mönche, Nonnen und Schüler nur mit Erlaubnis.

Der Landstreit um Mor Gabriel

Um die Grundstücke des Klosters wird seit 2008 gestritten. Nach einer Neuvermessung beanspruchten benachbarte Dörfer, das Schatzamt und die Forstverwaltung Flächen innerhalb und außerhalb der Klostermauer, obwohl Urkunden von 1937 und Vermessungen von 1938 und 1950 die Grenzen bestätigt hatten. 2011 sprach der Kassationshof laut einer Anfrage im Bundestag 27,6 Hektar dem Staat zu. Im Herbst 2013 beschloss die türkische Stiftungsbehörde, rund 24 Hektar zurückzugeben, etwa 27 Hektar blieben strittig.

2017 übertrug eine Liquidationskommission in Mardin zahlreiche syrisch-orthodoxe Kirchen, Klöster und Friedhöfe zunächst an das Schatzamt und teilweise an das Religionspräsidium Diyanet. Anfang 2018 ordnete ein Erlass die Rückgabe von 30 Liegenschaften an die Kirche an. Laut dem Vorsitzenden der Klosterstiftung waren Ende 2017 von 30 Parzellen des Klosters erst 12 zurückgegeben. Eine Beschwerde der Stiftung beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wurde laut derselben Bundestagsanfrage im Mai 2019 wegen fehlender Unterlagen abgewiesen. Ein verlässlicher öffentlicher Gesamtstand für 2027 liegt uns nicht vor; nach den uns bekannten Quellen sind Teilflächen weiterhin umstritten.

Deyrulzafaran (Mor Hananyo) bei Mardin

Deyrulzafaran und Mor Hananyo sind dasselbe Kloster: Der türkische Name bedeutet „Safrankloster“, der syrische erinnert an den Bischof Hananyo, der es Ende des 8. Jahrhunderts erneuerte. Es liegt wenige Kilometer östlich von Mardin und war bis 1932 über Jahrhunderte Sitz des syrisch-orthodoxen Patriarchen. Heute residiert hier der Metropolit von Mardin.

Besucht wird es mit einer Führung. Sie sehen einen unterirdischen Raum aus vorchristlicher Zeit, den Patriarchenthron, die Grabkammer mit Patriarchen und Metropoliten sowie Sänften und alte Türen. Seit Juni 2026 gilt auf dem gesamten Klostergelände ein Rauchverbot. Ausführlich beschreiben wir das Kloster im Porträt Mardin, weil es meist von dort aus besucht wird.

Midyat: Kirchtürme, Steinhäuser und Telkari

Midyat ist der Hauptort des Tur Abdin und liegt auf rund 950 Metern Höhe, etwa eine gute Stunde Fahrt östlich von Mardin. Die Stadt besteht aus zwei Teilen: dem im 19. Jahrhundert vor allem von Kurden besiedelten Estel im Westen und der Altstadt Eski Midyat im Osten, dem früheren christlichen Viertel mit den historischen Bauten.

Kirchen in Midyat

Über den Dächern der Altstadt stehen die Türme mehrerer syrisch-orthodoxer Kirchen. Dazu gehören Mor Barsaumo, Mart Shmuni, die auf das 7. Jahrhundert zurückgeführt wird, Mor Aksnoyo, benannt nach Philoxenos von Mabbug, und Mor Sharbel. Am Stadtrand liegt das Kloster Mor Abrohom und Mor Hobil, das noch bewohnt ist. Viele Kirchen sind nur zu Gottesdiensten oder nach Absprache geöffnet, weil die Gemeinden klein geworden sind; in Midyat leben heute nur noch einige hundert Christen, darunter seit 2011 Flüchtlinge aus Syrien.

Gästehaus, Telkari und Wein

Das Gästehaus Midyat Konuk Evi wurde 1850 auf dem höchsten Punkt der Altstadt errichtet, von der Gemeinde restauriert und ist durch türkische Fernsehserien wie „Sıla“ und „Hercai“ bekannt. Seit Dezember 2023 zeigt das Telkari-Museum in einem Haus von 1850 die filigrane Silberdrahtarbeit, für die Midyat bekannt ist.

Midyat ist zudem ein Zentrum des syrisch-orthodoxen Weinbaus. Die Kellerei Shiluh wurde 2008 von drei Familien gegründet und verarbeitet ausschließlich einheimische Rebsorten wie Boğazkere, Öküzgözü, Mazruna und Kerküş. Daneben verkaufen Familienbetriebe in der Altstadt Wein, Liköre und getrocknete Früchte. Wie sich dieser Wein in die Weinlandschaft der Türkei einordnet, lesen Sie im Ratgeber Türkischer Wein; wer Wein zum Reisethema machen möchte, findet Anregungen in unserer Wein- und Genussreise.

Dörfer des Tur Abdin: Hah, İwardo und Kafro

In den Dörfern zeigt sich der Tur Abdin am ursprünglichsten: Steinhäuser, ummauerte Kirchhöfe, Pistazien- und Weingärten.

Hah (Anıtlı): Marienkirche und Mor Sobo

Hah, heute Anıtlı, liegt nordöstlich von Midyat und war bis 613 und noch einmal vom 11. bis 13. Jahrhundert Bischofssitz. Die Marienkirche, syrisch Yoldath Aloho, auf Arabisch oft el-Adra genannt, ist ein quadratischer Bau mit Blendarkaden aus dem 6. bis 8. Jahrhundert. Das Obergeschoss und der Glockenturm wurden im 20. Jahrhundert ergänzt. Nach der örtlichen Überlieferung gründeten Könige aus dem Gefolge der Weisen aus dem Morgenland die Kirche, nachdem sie aus Jerusalem zurückgekehrt waren.

Wenige Schritte entfernt liegt die Ruine von Mor Sobo, der Kathedrale des frühen Bistums aus dem 6. Jahrhundert. Laut UNESCO gilt sie als Urbild der Hallenkirchen des Tur Abdin. Beide Bauten stehen auf der Vorschlagsliste. In Hah leben nur noch wenige Familien. Ob die Marienkirche offen ist, hängt davon ab, ob jemand mit dem Schlüssel vor Ort ist; wir klären das vorher.

İwardo (Gülgöze): das Dorf, das 1915 standhielt

İwardo, türkisch Gülgöze, beide Namen bedeuten „Rosenquelle“, liegt in der Nähe von Midyat. 1915 suchten hier tausende Christen und Jesiden Zuflucht, das Dorf hielt unter Gallo Shabo eine Belagerung von rund zwei Monaten stand. Zu sehen sind die Kirche Mor Hadbshabo und der Ortskern mit seinen Steinhäusern. 2020 lebten nur noch drei syrisch-orthodoxe Familien hier, inzwischen sind einige zurückgekehrt.

Kafro und weitere Dörfer

Kafro (Elbeğendi) ist das bekannteste Rückkehrerdorf: Nach der Räumung 1995 bauten Familien aus Deutschland und der Schweiz ab 2002 rund 20 neue Häuser, eingeweiht wurde das Dorf am 1. September 2006. Die Marienkapelle wurde 2008 mit Unterstützung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg geweiht. Weitere Stätten der UNESCO-Vorschlagsliste sind das Kloster Mor Yakup in Salah (Barıştepe), das Kloster Mor Loozor mit einem Säulenheiligen-Turm aus dem 8. Jahrhundert sowie die Dorfkirchen Mor Quryaqos in Bağlarbaşı und Mor Azozoel in Altıntaş.

Übersicht: Klöster und Kirchen im Tur Abdin

Ort Was Konfession / Status Besuch
Mor Gabriel (bei Midyat) Kloster, gegr. 397, Hauptkirche um 512, Mosaiken syrisch-orthodox, Metropolitensitz, bewohnt; UNESCO-Vorschlag tagsüber mit Führung, nicht an Feiertagen
Deyrulzafaran / Mor Hananyo (bei Mardin) Kloster, gegr. 493, bis 1932 Patriarchensitz syrisch-orthodox, Metropolitensitz Mardin, bewohnt; UNESCO-Vorschlag täglich mit Führung, mittags evtl. geschlossen
Midyat, Altstadt Kirchen Mor Barsaumo, Mart Shmuni, Mor Aksnoyo, Mor Sharbel syrisch-orthodox, Gemeindekirchen meist nur zu Gottesdiensten oder nach Absprache
Hah (Anıtlı) Marienkirche (Yoldath Aloho), Ruine Mor Sobo syrisch-orthodox, kleine Gemeinde; UNESCO-Vorschlag nach Absprache, Schlüssel im Dorf
İwardo (Gülgöze) Kirche Mor Hadbshabo, Ort der Verteidigung 1915 syrisch-orthodox, ohne Priester nach Absprache
Kafro (Elbeğendi) Rückkehrerdorf, Kirche und Marienkapelle syrisch-orthodox Außenbesichtigung, Kirche nach Absprache
Mor Yakup, Salah (Barıştepe) Kloster, 6. Jh., fünfseitige Apsis syrisch-orthodox; UNESCO-Vorschlag nach Absprache
Mor Yakup, Nusaybin Taufkapelle der Kathedrale von Nisibis, 359/360 syrisch-orthodox; UNESCO-Vorschlag seit 2014 direkt an der Grenze, derzeit nicht im Programm

Mor Yakup in Nusaybin

Die Kirche Mor Yakup im antiken Nisibis, heute Nusaybin, gehört historisch zu den bedeutendsten Bauten der Region. Jakob von Nisibis wurde 309 Bischof, eine griechische Inschrift datiert den Bau der Taufkapelle seiner Kathedrale auf 359/360. Restauriert wurde ab 2000, seit 2014 steht die Kirche auf der UNESCO-Vorschlagsliste. Nusaybin liegt jedoch unmittelbar an der syrischen Grenze. Solange das Auswärtige Amt von nicht zwingend erforderlichen Reisen dorthin abrät, nehmen wir Nusaybin nicht in unsere Programme auf.

Ist eine Reise in den Tur Abdin sicher?

Darauf gibt es keine pauschale Antwort, und wir geben keine Sicherheitsgarantie. Das Auswärtige Amt rät in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen (Stand: 20. Oktober 2026, unverändert gültig seit 20. Oktober 2026), alle nicht zwingend erforderlichen Reisen in das unmittelbare Grenzgebiet der Türkei zu Syrien zu vermeiden, und nennt dabei ausdrücklich die Provinzen Şanlıurfa und Mardin. Im Grenzgebiet zu Syrien besteht laut Amt zudem Minengefahr. Eine Reisewarnung für die Türkei insgesamt besteht nicht.

Der Tur Abdin liegt überwiegend in der Provinz Mardin. Midyat und Mor Gabriel liegen deutlich nördlich der Grenze, Nusaybin direkt daran. Lesen Sie die aktuelle Fassung vor der Buchung und kurz vor der Abreise, und klären Sie mit Ihrer Reiseversicherung, ob in genannten Gebieten Einschränkungen gelten. Für Österreich gelten die Hinweise des BMEIA, für die Schweiz die des EDA. Hintergründe zur Lage im ganzen Land fasst unser Ratgeber Ist die Türkei sicher? zusammen.

Wie besucht man den Tur Abdin?

Am einfachsten besuchen Sie den Tur Abdin von Mardin oder von Midyat aus. Die Fahrt von Mardin nach Midyat dauert eine bis eineinviertel Stunden, die Klöster und Dörfer liegen von dort aus im Umkreis von etwa 20 bis 30 Kilometern. Öffentliche Verbindungen gibt es nur bis Midyat und auf den Hauptstraßen; für Mor Gabriel, Hah und İwardo brauchen Sie ein Fahrzeug.

Ein Tag ab Mardin: Vormittags Mor Gabriel, mittags Midyat mit Gästehaus, Kirchen und Telkari-Werkstätten, nachmittags je nach Zeit ein Dorf wie İwardo. Deyrulzafaran besuchen Sie am besten an einem anderen Vormittag direkt von Mardin aus.

Zwei Tage mit Übernachtung in Midyat: Am ersten Tag Midyat und Mor Gabriel, abends die Altstadt fast ohne Tagesbesucher. Am zweiten Tag Hah, Kafro und weitere Dorfkirchen mit Gesprächen in den Gemeinden.

Beste Reisezeit: April bis Mai und Ende September bis Anfang November. Laut den Klimanormalwerten des türkischen Wetterdienstes für Mardin (1991–2020) liegen die Tageshöchstwerte im April bei rund 18 °C, im Mai bei 25 °C und im Oktober bei 24 °C, im Juli dagegen bei 36 °C. Im Januar sinkt das nächtliche Mittel auf gut 1 °C. Mehr zum Vergleich im Ratgeber zur besten Reisezeit für die Türkei.

Verhalten: Kirchen und Klöster sind Orte des Gebets. Bedeckte Schultern und Knie, leise Stimmen und Zurückhaltung bei Gottesdiensten sind selbstverständlich. Eine Spende in der Kirche ist üblich und willkommen. Fragen Sie, bevor Sie Menschen fotografieren.

Syrisch-orthodoxe Christen auch in Istanbul

Wer die syrisch-orthodoxe Kirche in der Türkei kennenlernen möchte, kann auch in Istanbul beginnen, wo rund 17.000 bis 20.000 Suryoye leben. Am 8. Oktober 2023 wurde in Yeşilköy die Kirche Mor Ephrem eröffnet, der erste Kirchenneubau seit Gründung der Republik; ihre Formen greifen die Kirchen des Tur Abdin auf. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu den Kirchen in Istanbul.

Tur Abdin mit einer Rundreise verbinden

Der Tur Abdin lässt sich gut in eine Reise durch den Südosten einbauen. Auf unserer Osttürkei-Rundreise übernachten Sie in Mardin; mit einem zusätzlichen Tag bleibt Zeit für Midyat, Mor Gabriel und die Dörfer. Gut kombinieren lässt sich die Region mit Şanlıurfa und Göbekli Tepe, rund drei Fahrstunden westlich von Mardin, und mit dem Nemrut Dağı.

Für Gemeindegruppen und Studienreisen

Für Kirchengemeinden, Studienkreise, Volkshochschulen und Vereine organisieren wir Reisen in den Tur Abdin mit eigenem Bus und deutschsprachiger Reiseleitung mit kirchengeschichtlichem Fachwissen. Nach Absprache mit den Klöstern und Gemeinden sind die Teilnahme an einer Liturgie, eine Andacht oder ein Gespräch mit Ordensleuten oder Rückkehrerfamilien möglich. Termine richten wir nach Ihrem Kalender und dem Kirchenjahr; Feste wie der Gedenktag von Mor Gabriel ziehen viele Gläubige an, was eindrucksvoll ist, aber volle Klöster bedeutet. Den Preis kalkulieren wir nach Gruppengröße, Saison und Programm.

Solange das Auswärtige Amt die Provinz Mardin nennt, besprechen wir mit Ihnen auch Varianten mit kürzerem Aufenthalt oder ohne den Südosten. Schreiben Sie uns über das Anfrageformular, und unser Team in der Türkei schlägt Ihnen eine Route vor, die zu Ihrer Gruppe und zur aktuellen Lage passt.

Rundreisen mit Tur Abdin

Häufige Fragen

Was bedeutet Tur Abdin?

Der Name ist syrisch-aramäisch und bedeutet „Berg der Knechte Gottes“. Gemeint sind die Mönche, die hier ab dem 4. Jahrhundert Klöster gründeten. Die Region ist ein hügeliges Kalksteinplateau zwischen Mardin im Westen und dem Tigris im Osten, Hauptort ist Midyat.

Kann man das Kloster Mor Gabriel besichtigen?

Ja, Mor Gabriel ist ein bewohntes Kloster, das Besucher tagsüber empfängt, außer an hohen kirchlichen Feiertagen. Besichtigt wird in Gruppen mit einer Führung durch das Kloster, eigenständiges Herumgehen ist nicht vorgesehen. Feste Öffnungszeiten werden nicht offiziell veröffentlicht, mittags und während der Gebetszeiten kann es geschlossen sein.

Sind die Christen im Tur Abdin Aramäer oder Assyrer?

Beide Bezeichnungen werden verwendet, und welche jemand bevorzugt, ist eine Frage der Selbstbezeichnung. Viele Angehörige der syrisch-orthodoxen Kirche nennen sich Suryoye und verstehen sich als Aramäer, andere als Assyrer. Auf Türkisch heißen sie Süryani. Am besten übernehmen Sie im Gespräch die Bezeichnung, die Ihr Gegenüber selbst nutzt.

Welche Sprache spricht man im Tur Abdin?

Die Christen des Tur Abdin sprechen Turoyo, von Sprechern auch Surayt genannt, eine neuaramäische Sprache. In der Liturgie wird klassisches Syrisch verwendet. Weltweit gibt es rund 100.000 Muttersprachler, die meisten in der Diaspora; die UNESCO stuft die Sprache als gefährdet ein. Daneben sind Kurdisch, Türkisch und teils Arabisch verbreitet.

Ist eine Reise in den Tur Abdin derzeit sicher?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Das Auswärtige Amt rät (Stand 20. Oktober 2026), nicht zwingend erforderliche Reisen in das unmittelbare Grenzgebiet zu Syrien zu vermeiden, und nennt dabei die Provinz Mardin, zu der der Tur Abdin überwiegend gehört. Wir besprechen vor jeder Buchung die aktuelle Lage und planen bei Bedarf ohne grenznahe Orte wie Nusaybin.

Kann man im Tur Abdin Wein kaufen?

Ja. In Midyat und Mardin verkaufen syrisch-orthodoxe Familien und kleine Kellereien Wein aus lokalen Rebsorten wie Mazruna und Kerküş, oft als Süryani-Wein bezeichnet. Auch im Kloster Deyrulzafaran wird Wein angeboten. Beachten Sie beim Rückflug die Einfuhrmengen für Alkohol.

Quellen & weiterführende Informationen

  1. Auswärtiges Amt: Türkei – Reise- und Sicherheitshinweise (Stand 20.10.2026, unverändert gültig seit 20.10.2026) (auswaertiges-amt.de)
  2. UNESCO World Heritage Centre, Tentative List: Late Antique and Medieval Churches and Monasteries of Midyat and Surrounding Area (Tur ʿAbdin), 2021 (whc.unesco.org)
  3. Deutscher Bundestag, Drucksache 19/13799: Situation des syrisch-orthodoxen Klosters Mor Gabriel in der Türkei (8.10.2019) (dserver.bundestag.de)
  4. Wikipedia: Tur Abdin (Name, Geografie, Bevölkerung) (en.wikipedia.org)
  5. Wikipedia: Mor Gabriel Monastery (Gründung, Bauten, Landstreit) (en.wikipedia.org)
  6. Kure Ansiklopedi: Mor Gabriel Manastırı (Lage, Bauten, Besuch) (kureansiklopedi.com)
  7. Wikipedia: Mor Hananyo Monastery (Deyrulzafaran) (en.wikipedia.org)
  8. Lonely Planet: Deyrul Zafaran (Führung, Rundgang) (lonelyplanet.com)
  9. Medyascope: Rauchverbot im Kloster Deyrulzafaran (6.6.2026) (medyascope.tv)
  10. Wikipedia: Turoyo language (en.wikipedia.org)
  11. evangelisch.de: Die „Suryoye“-Christen wollen ihre Zukunft sichern (11.9.2026) (evangelisch.de)
  12. Wikipedia: Sayfo (en.wikipedia.org)
  13. Wikipedia (de): Midyat (Kirchen, Bevölkerung, Estel) (de.wikipedia.org)
  14. Wikipedia: Midyat (Gästehaus, Telkari-Museum, Wein) (en.wikipedia.org)
  15. Sailing Stone Travel: Midyat & Mor Gabriel Monastery (Kirchen, Führung) (sailingstonetravel.com)
  16. Turkey from the Inside: Hah/Anıtlı – Tur Abdin’s original bishopric (turkeyfromtheinside.com)
  17. Hürriyet Daily News: Midyat’s historic village seeks recognition (Anıtlı, 2013) (hurriyetdailynews.com)
  18. Wikipedia: Iwardo (Gülgöze) (en.wikipedia.org)
  19. Wikipedia: Elbeğendi (Kafro), Midyat (en.wikipedia.org)
  20. Equal Times: A century after the massacres, Turkey’s Syriac diaspora head home (2015) (equaltimes.org)
  21. Syriac Press: Patriarch Aphrem II beendet Pastoralbesuch im Tur Abdin in Mor Gabriel (5.9.2025) (syriacpress.com)
  22. evangelisch.de: Syrisch-orthodoxe Kirche begrüßt Landrückgabe an Kloster in der Türkei (27.2.2014) (evangelisch.de)
  23. BirGün: Mardin Süryanileri tapularının iade edilmesini istiyor (14.11.2017) (birgun.net)
  24. Turkish Minute: Turkey transfers Syriac churches’ properties to Diyanet (24.6.2017) (turkishminute.com)
  25. International Christian Concern: Decree orders full restitution of ecclesiastical assets in Mardin (13.2.2018) (persecution.org)
  26. Wikipedia: Church of Saint Jacob of Nisibis (en.wikipedia.org)
  27. Mardin İl Kültür ve Turizm Müdürlüğü: Mor Yakup Kilisesi (mardin.ktb.gov.tr)
  28. The Quirky Cork: Shiluh and the Assyrian Wine Tradition (2020) (thequirkycork.com)
  29. Wikipedia: Mardin – Klimatabelle (MGM, Normalperiode 1991–2020) (en.wikipedia.org)

Angaben zu Einreise, Preisen und Öffnungszeiten können sich ändern. Bitte prüfen Sie vor Reiseantritt die offiziellen Stellen.

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