Hattuscha: Was ist Hattuscha und wo liegt es?
Hattuscha, türkisch Hattuşa, war die Hauptstadt der Hethiter, die von hier aus in der späten Bronzezeit ein Großreich zwischen Westanatolien und Nordsyrien regierten. Die Ruinen liegen am Südrand des Dorfes Boğazkale in der Provinz Çorum, rund 200 Kilometer östlich von Ankara. Seit 1986 gehört die Stadt zum UNESCO-Welterbe.
Wer an antike Stätten in der Türkei denkt, hat meist Marmor, Säulen und Theater vor Augen. Hattuscha ist anders: Die Stadt ist rund tausend Jahre älter als Ephesus, gebaut aus Bruchstein, Lehmziegeln und Holz, und ihre Monumente sind Mauern, Tore, Tempelgrundrisse und Felsreliefs. Gerade deshalb ist ein Besuch für viele Reisende ein Höhepunkt. Wie sich Hattuscha in die lange Reihe der anatolischen Kulturen einordnet, zeigt unser Überblick über die antiken Stätten der Türkei.
Das Stadtgebiet erstreckt sich laut den Ausgräbern über etwa 2,1 Kilometer von Nord nach Süd und steigt dabei um rund 280 Meter an. Der Bach Kızlarkayası teilt es in die Unterstadt im Norden und die Oberstadt im Süden. Zum Welterbe gehören neben der Stadt auch das Felsheiligtum Yazılıkaya, die Festung Kayalı Boğaz und ein Rest des alten Waldes von İbikçam.
Wer waren die Hethiter?
Die Hethiter waren ein Volk mit indoeuropäischer Sprache, das im 2. Jahrtausend v. Chr. Zentralanatolien beherrschte. Um 1650 v. Chr. machte König Labarna, der sich danach Hattušili I. nannte, Hattuscha zur Hauptstadt. Um 1180 v. Chr. wurde die Stadt aufgegeben und brannte.
Vom Alten Reich zum Großreich
Die Forschung unterscheidet ein Altes Reich (etwa 1650 bis 1500 v. Chr.) und das Großreich ab etwa 1430 v. Chr. Unter Šuppiluliuma I. dehnte sich das Reich im 14. Jahrhundert v. Chr. bis nach Nordsyrien aus und wurde neben Ägypten, Babylon und Assyrien zu einer der Großmächte des Alten Orients. Zeitweise verlegten die Könige ihre Residenz: In der unruhigen Mittleren Periode nach Şapinuva und Samuha, unter Muwattalli II. im frühen 13. Jahrhundert v. Chr. nach Tarḫuntašša. Muršili III. kehrte nach Hattuscha zurück.
Bereits vor den Hethitern stand hier eine Siedlung der Hattier, und in der Zeit der assyrischen Handelskolonien im frühen 2. Jahrtausend v. Chr. gab es in der Unterstadt ein Händlerviertel. Das Ende kam mit dem Zusammenbruch der bronzezeitlichen Staatenwelt: Unter dem letzten König Šuppiluliuma II. trafen Angriffe von außen, Konflikte mit Assyrien und Dürre zusammen. Die Stadt wurde wohl über mehrere Jahrzehnte verlassen, das abschließende Feuer brach vermutlich erst aus, als Königshaus und Eliten schon fort waren. In Südostanatolien und Nordsyrien lebten späthethitische Fürstentümer noch bis ins 8. Jahrhundert v. Chr. weiter.
Keilschrift, Archiv und die Entzifferung des Hethitischen
Die Hethiter schrieben mit Keilschrift auf Tontafeln, für Inschriften auf Stein nutzten sie zudem Hieroglyphen. In Hattuscha kamen nach dem Register der UNESCO fast 25.000 Tafeln zutage, nach neueren Zählungen über 30.000 meist fragmentierte Stücke. Sie sind in Hethitisch, Akkadisch, Hurritisch und weiteren Sprachen verfasst und enthalten Staatsverträge, Gesetze, Briefe, Rituale, Orakel und Mythen. Seit 2001 stehen die Keilschrifttafeln von Boğazköy im Register des Weltdokumentenerbes („Memory of the World“).
Gelesen werden konnten die Zeichen schon früh, weil die Hethiter die mesopotamische Keilschrift übernommen hatten. Die Sprache selbst blieb aber rätselhaft, bis der tschechische Orientalist Bedřich Hrozný 1915 in den Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft seine Lösung veröffentlichte: Hethitisch ist eine indoeuropäische Sprache, verwandt mit Latein, Griechisch und Deutsch. Ein Schlüsselsatz war „NINDA-an ezzatteni, watar-ma ekutteni“, „ihr werdet Brot essen, Wasser aber trinken“. 1917 folgte seine Grammatik „Die Sprache der Hethiter“. Hethitisch gilt seither als älteste schriftlich belegte indoeuropäische Sprache.
Der Vertrag von Kadesch
Der bekannteste Text aus Hattuscha ist der Friedensvertrag zwischen dem hethitischen Großkönig Hattušili III. und Pharao Ramses II., geschlossen um 1259 v. Chr. Er folgte auf Jahrzehnte des Konflikts um Syrien, zu dem die Schlacht bei Kadesch um 1274 v. Chr. gehörte, die keine Seite klar gewann. Der Name „Vertrag von Kadesch“ ist deshalb streng genommen ungenau, denn die Schlacht wird im Text gar nicht erwähnt.
Die hethitische, in akkadischer Sprache abgefasste Fassung fand Hugo Winckler 1906 in Hattuscha. Zwei Tafeln liegen heute in den Archäologischen Museen Istanbul im Museum des Alten Orients, ein Fragment in Berlin; die ägyptische Fassung ist in Karnak und im Ramesseum in Stein gemeißelt. Am 24. September 1970 schenkte die Türkei den Vereinten Nationen eine Kupferreplik der Tafel. Sie hängt im Konferenzgebäude des UN-Hauptquartiers in New York nahe dem Eingang zum Sicherheitsratssaal, als frühes Zeugnis internationaler Diplomatie.
Wie wurde Hattuscha entdeckt und ausgegraben?
Der französische Reisende Charles Texier stieß 1834 auf die Ruinen, hielt sie aber für die medische Stadt Pteria. Systematische Grabungen begannen 1906 unter dem Altorientalisten Hugo Winckler und dem Archäologen Theodor Makridi, finanziert von der Deutschen Orient-Gesellschaft. Die Tontafeln, die sie schon in der ersten Kampagne fanden, bewiesen, dass hier Hattuscha lag.
Seit 1907 ist das Deutsche Archäologische Institut (DAI) beteiligt, damals unter Otto Puchstein, der die Bauten aufnahm. 1931 nahm Kurt Bittel die Grabungen im Auftrag des DAI wieder auf. Nach der Unterbrechung im Zweiten Weltkrieg arbeitete er ab 1952 weiter und prägte die Forschung über Jahrzehnte. 1978 übernahm Peter Neve, der vor allem die Oberstadt mit ihren vielen Tempeln freilegte und die Methoden entwickelte, mit denen ausgegrabene Mauern konserviert und für Besucher sichtbar gemacht werden. 1994 folgte Jürgen Seeher, seit 2006 leitet Andreas Schachner die Grabung.
Die Arbeiten laufen in Zusammenarbeit mit dem türkischen Kulturministerium und dem Museum Çorum weiter. Für Besucher bedeutet das: Manche Bereiche sind im Sommer abgesperrt, dafür sehen Sie mitunter Archäologen bei der Arbeit.
Was sieht man heute in Hattuscha?
Heute sehen Sie in Hattuscha die Grundmauern des Großen Tempels, einen rekonstruierten Abschnitt der Stadtmauer, drei Tore mit Reliefs, den Tunnel unter dem Sphinxtor, die Königsburg Büyükkale und Dutzende Tempelgrundrisse in der Oberstadt. Eine asphaltierte Rundstraße verbindet die Stationen, die Sie mit dem Auto abfahren und jeweils zu Fuß erkunden.
Unterstadt und Großer Tempel
Gleich hinter dem Eingang liegt der Große Tempel (Tempel 1) aus dem 13. Jahrhundert v. Chr., laut UNESCO der am besten erhaltene Tempel der Hethiter. Die Anlage misst rund 65 mal 42 Meter, ringsum lagen 82 Magazinräume, in denen Vorräte und Tontafeln aufbewahrt wurden. Sie gehen zwischen Fundamenten aus großen Kalksteinblöcken hindurch und erkennen die Raumfolge bis zur Cella. Die Sockelsteine wurden zuletzt vom DAI konserviert. Nördlich des Tempels legten die Ausgräber ein dicht bebautes Wohnviertel frei.
Die rekonstruierte Stadtmauer
Am Hang oberhalb der Unterstadt steht ein Stück Mauer, wie es die Hethiter gebaut haben. Zwischen 2003 und 2005 rekonstruierte das DAI hier einen 65 Meter langen Abschnitt mit Lehmziegeln und historischen Techniken: drei Mauerabschnitte von sieben bis acht Metern Höhe und zwei Türme von zwölf bis dreizehn Metern. Insgesamt umgab eine Mauer von mehr als acht Kilometern mit über 100 Türmen die Stadt.
Löwentor und Königstor
Das Löwentor im Südwesten ist das bekannteste Motiv von Hattuscha. Zwei aus dem Torstein gearbeitete Löwen bewachen den Durchgang, der zwischen zwei Türmen lag und einen parabelförmigen Bogen hatte.
Das Königstor liegt spiegelbildlich im Südosten. Auf der Stadtseite zeigt es eine lebensgroße Figur mit Helm, Schurz und Axt, die als Krieger oder Gott gedeutet wird. Vor Ort steht eine Kopie; das Original ist seit den 1930er-Jahren im Museum der Anatolischen Zivilisationen in Ankara.
Sphinxtor und Yerkapı-Tunnel
Am höchsten Punkt der Stadt erhebt sich Yerkapı, ein künstlicher Erdwall, dessen Hänge mit Steinen gepflastert sind. Oben stand das Sphinxtor, ein Prozessionstor mit vier Sphingen; über zwei Treppen gelangen Sie hinauf. Die beiden Sphingen, die heute am Tor stehen, sind Kopien, die das DAI zwischen 2011 und 2014 aufstellte.
Unter dem Wall führt ein 71 Meter langer Tunnel aus Kragsteinen hindurch, eine sogenannte Poterne, durch die Sie laut Kulturministerium hindurchgehen können. Der Gang ist schmal und an den Enden etwas uneben. Von oben überblicken Sie die gesamte Oberstadt mit ihren zahlreichen Tempelgrundrissen.
Büyükkale und Nişantepe
Büyükkale, die „Große Burg“, liegt auf einem Felsplateau über der Schlucht im Osten der Stadt. Hier standen Palast und Verwaltung der Großkönige, unter Tudḫaliya IV. ausgebaut mit Säulenhöfen und einer Audienzhalle. In den Gebäuden der Burg fanden die Ausgräber ab 1906 Tausende Tontafeln. Heute erkennen Sie Grundmauern, Treppen und Höfe; die Aussicht über die Schlucht und das Tal ist am späten Nachmittag besonders schön.
Am Felsen Nişantepe in der Oberstadt ist laut UNESCO die längste bekannte hieroglyphenluwische Inschrift der Großreichszeit eingemeißelt. Sie ist stark verwittert und wirkt bei flachem Licht am deutlichsten.
Yazılıkaya: das Felsheiligtum der Hethiter
Yazılıkaya ist ein Freiluftheiligtum in zwei natürlichen Felskammern, rund 2,6 Kilometer bergauf vom Eingang der Ruinenstadt. Die Reliefs an den Wänden zeigen Götterprozessionen und den Großkönig Tudḫaliya IV. Die meisten stammen aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts v. Chr., genutzt wurde der Ort aber schon früher.
In der großen Kammer A schreiten 64 Gottheiten aufeinander zu, links überwiegend männliche, rechts weibliche. In der Mitte treffen sich der Wettergott Teššub, stehend auf zwei Berggöttern, und die Göttin Ḫebat auf einem Panther. In der schmalen Kammer B sind die Reliefs größer und besser erhalten: die berühmte Prozession von zwölf Göttern, meist als Götter der Unterwelt gedeutet, und eine Szene, in der der Gott Šarruma den König Tudḫaliya IV. umarmt. Kammer B war möglicherweise eine Gedenkstätte für diesen König.
Planen Sie etwa eine Stunde ein. Die Reliefs sind flach, morgens und am frühen Nachmittag ist das Licht meist günstiger. Ein beschilderter Wanderweg, der „Hitit Yolu“, verbindet Yazılıkaya mit der Stadt, die meisten Besucher fahren aber mit dem Auto hinauf.
Museum Boğazkale und die Rückkehr der Sphinx
Das kleine Museum im Dorf Boğazkale zeigt Funde aus der Grabung, von der Kupfersteinzeit bis in byzantinische Zeit. Sein Glanzstück sind die beiden originalen Sphingen vom Sphinxtor, die seit November 2011 am Eingang der Hethiter-Halle stehen.
Beide Figuren wurden 1907 gefunden und zur Restaurierung nach Berlin gebracht. Die westliche kehrte 1924 nach Istanbul zurück, die besser erhaltene blieb im Vorderasiatischen Museum in Berlin. Über Jahrzehnte forderte die Türkei die Rückgabe; 2011 einigten sich beide Seiten, und die Sphinx kam im Juli 2011 in die Türkei. Seit dem 26. November 2011 sind die beiden Sphingen wieder nahe ihrem Fundort vereint, für Berlin wurde ein Abguss angefertigt.
Daneben zeigt das Museum Siegel und gesiegelte Tonbullen, Keilschrifttafeln, ein Modell der Stadt und des Großen Tempels sowie Ausstellungen zu Religion, Militär und Schrift der Hethiter. Im Garten stehen Inschriftsteine und römische Meilensteine. Eine Dreiviertelstunde genügt; der Besuch ist eine gute Einführung vor dem Rundgang.
Alacahöyük: Sphinxtor und Fürstengräber
Alacahöyük liegt rund 36 Kilometer nördlich von Boğazkale und ist der zweite große hethitische Ort der Region. Sie sehen ein Stadttor mit zwei Sphingen und Reliefs, die Grundrisse der Fürstengräber aus der Frühbronzezeit und ein Museum direkt an der Ausgrabung.
Die Siedlung reicht laut Kulturministerium von der späten Kupfersteinzeit bis in osmanische Zeit. Berühmt sind die Gräber aus der Zeit um 2500 v. Chr., also Jahrhunderte vor den Hethitern: rechteckige Steinkammern mit Holzbalken, gefüllt mit Beigaben aus Gold, Silber, Bronze und Halbedelsteinen. Die Originale dieser Funde zeigt das Museum der Anatolischen Zivilisationen in Ankara.
Aus hethitischer Zeit stammt das rund zehn Meter breite Sphinxtor. Die Reliefblöcke daneben zeigen einen Stier als Symbol des Wettergottes, ein betendes Königspaar und Jagdszenen. Entdeckt wurde der Ort 1835, türkische Archäologen gruben ab 1935, unter anderem Hamit Zübeyr Koşay und Remzi Oğuz Arık. Das Museum besteht seit 1940 und zog 1982 an die Ausgrabung. Für Stätte und Museum brauchen Sie eine bis eineinhalb Stunden.
Şapinuva: für Fachinteressierte
Şapinuva beim Ort Ortaköy, rund 70 Kilometer von Hattuscha entfernt, war zeitweise Residenz hethitischer Könige. Seit 1990 wird hier unter der Leitung von Aygül und Mustafa Süel gegraben; in einem einzigen Gebäude fanden sich rund 5.000 Tafeln und Fragmente aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. Touristisch ist der Ort kaum erschlossen. Für Studiengruppen klären wir vorab, ob ein Besuch möglich ist.
Wie viel Zeit braucht man für Hattuscha und die Umgebung?
Für Hattuscha mit Yazılıkaya und dem Museum in Boğazkale brauchen Sie vier bis fünf Stunden. Mit Alacahöyük wird daraus ein voller Tag, für Şapinuva und Çorum ein zweiter.
| Ort | Was Sie sehen | Dauer (ca.) |
|---|---|---|
| Museum Boğazkale | Originale Sphingen, Tafeln, Siegel, Stadtmodell | 45 Min. |
| Hattuscha, Unterstadt | Großer Tempel, Wohnviertel, rekonstruierte Mauer | 1 Std. |
| Hattuscha, Oberstadt | Löwentor, Sphinxtor mit Yerkapı-Tunnel, Königstor, Tempel | 1,5–2 Std. |
| Büyükkale und Nişantepe | Königsburg, Hieroglypheninschrift, Aussicht | 45 Min. |
| Yazılıkaya | Felsreliefs, Kammern A und B | 1 Std. |
| Alacahöyük | Sphinxtor, Reliefs, Fürstengräber, Museum | 1–1,5 Std. |
| Şapinuva | Grabungsgelände, nur nach Absprache | 1 Std. |
Ein bewährter Ablauf: morgens das Museum in Boğazkale, dann Hattuscha in der Reihenfolge Großer Tempel, Löwentor, Sphinxtor, Königstor und Büyükkale, nach der Mittagspause Yazılıkaya und am Nachmittag Alacahöyük. Das Gelände der Ruinenstadt ist groß und hat kaum Schatten. Festes Schuhwerk, Sonnenschutz und Wasser gehören im Sommer dazu, Lokale gibt es im Dorf.
Wie kommt man nach Hattuscha?
Hattuscha erreichen Sie am besten mit dem Auto über Sungurlu, das rund 30 Kilometer westlich liegt. Von Ankara fahren Sie rund 200 Kilometer und etwa dreieinhalb Stunden, von Kappadokien rund 240 Kilometer und etwa vier Stunden.
| Von / nach Boğazkale | Entfernung | Fahrzeit (ca.) |
|---|---|---|
| Ankara | ca. 200 km | 3,5 Std. |
| Ürgüp (Kappadokien) | ca. 240 km | 4 Std. |
| Çorum | ca. 83 km | 1,5 Std. |
| Sungurlu | ca. 30 km | 35 Min. |
| Yozgat | ca. 35 km | 40 Min. |
| Alacahöyük | ca. 36 km | 40 Min. |
Fernbusse halten in Sungurlu, von dort brauchen Sie ein Taxi oder einen Minibus. Innerhalb der Stätte sind die Wege zwischen den Toren lang, ohne Auto wird der Besuch mühsam. In Boğazkale gibt es einige einfache Hotels, weitere Unterkünfte in Sungurlu, Yozgat und Çorum.
Tagesausflug ab Ankara oder Etappe nach Kappadokien?
Ein Tagesausflug ab Ankara ist machbar, ergibt aber mit rund sieben Stunden Fahrt einen Tag von zwölf Stunden. Sinnvoller ist für die meisten Reisenden die Etappe: Morgens in Ankara los, mittags in Hattuscha und Yazılıkaya, abends weiter Richtung Kappadokien. Auch das ist mit rund 440 Kilometern ein langer Tag. Wer Alacahöyük mitnehmen möchte, übernachtet in Boğazkale oder Yozgat und fährt am nächsten Morgen weiter.
Öffnungszeiten, Eintritt und Winter
Laut dem Kulturministerium ist Hattuscha vom 1. April bis 30. September von 8:30 bis 19:00 Uhr geöffnet, vom 1. Oktober bis 31. März bis 17:00 Uhr, Kassenschluss jeweils eine halbe Stunde vorher. Dieselben Zeiten gelten für das Museum Boğazkale sowie für Stätte und Museum von Alacahöyük.
Die Eintrittspreise sind im Vergleich zu Ephesus oder der Hagia Sophia niedrig und werden für ausländische Besucher in Euro berechnet. Kaufen Sie Tickets nur an der offiziellen Kasse oder über muze.gov.tr und prüfen Sie dort den tagesaktuellen Betrag; Preise ändern sich teils mehrmals im Jahr. Ob die Museum Pass Türkiye für Ihre Route sinnvoll ist, hängt davon ab, welche staatlichen Stätten Sie insgesamt besuchen.
Im Winter ist ein Besuch möglich, aber anspruchsvoll. Die Region liegt im anatolischen Hochland: In Çorum auf rund 800 Metern Höhe liegt das Januarmittel nach den Werten des türkischen Wetterdienstes (1991–2020) tagsüber bei knapp 5 °C, nachts bei −4 °C, und im Januar fällt im Schnitt an rund zehn Tagen Schnee. Boğazkale liegt noch etwas höher. Planen Sie Fahrzeit-Reserven ein, kommen Sie früh wegen der kurzen Tage und nehmen Sie warme Schuhe mit, denn die Wege im Gelände können vereist sein. Am angenehmsten sind Mai, Juni, September und Oktober; im Juli und August werden in Çorum im Mittel gut 30 °C erreicht. Mehr zu Reisen in der kalten Jahreszeit steht im Ratgeber Türkei im Winter.
Museum der Anatolischen Zivilisationen in Ankara
Das Museum der Anatolischen Zivilisationen in Ankara ist die wichtigste Ergänzung zu Hattuscha. Hier sehen Sie das Originalrelief vom Königstor, hethitische Reliefs und Keilschrifttafeln sowie die Goldfunde aus den Fürstengräbern von Alacahöyük.
Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut. Laut Kulturministerium ist das Museum im Sommer bis 21:00 Uhr geöffnet, im Winter bis 17:30 Uhr. Planen Sie zwei bis drei Stunden ein, idealerweise am Tag vor der Fahrt nach Boğazkale. Alles zu Museum, Zitadelle und Atatürk-Mausoleum steht auf unserer Seite zu Ankara.
Wer die Vorgeschichte Anatoliens noch weiter zurückverfolgen möchte, besucht Çatalhöyük bei Konya, eine der ältesten bekannten Siedlungen der Welt, oder fährt in den Südosten zu den Steinkreisen von Göbekli Tepe bei Şanlıurfa.
Hattuscha mit einer Rundreise verbinden
Hattuscha passt gut in eine Rundreise durch Zentralanatolien, weil es zwischen Ankara und Kappadokien liegt und beide Ziele ohnehin auf vielen Routen stehen. Mit einem privaten Fahrer entfällt die Frage nach Bussen und Taxis, und Sie können den Tag an Wetter und Licht anpassen.
Am naheliegendsten ist die Verbindung mit unserer Rundreise Istanbul und Kappadokien: Statt direkt nach Kappadokien führt die Route über Ankara mit dem Museum der Anatolischen Zivilisationen und Hattuscha. Für Reisende mit Schwerpunkt Archäologie haben wir die archäologische Studienreise durch die Türkei entwickelt; in der 18-tägigen Variante mit Zentralanatolien führt sie über Konya und Çatalhöyük nach Kappadokien und zur Hethiterhauptstadt.
Für Studienkreise, Volkshochschulen und Vereine
Für Gruppen organisieren wir Fahrten zu den hethitischen Stätten mit eigenem Bus und Fahrer, deutschsprachiger Reiseleitung mit archäologischem oder altorientalistischem Hintergrund und einem Programm nach Ihrem Schwerpunkt: etwa Keilschrift und Archive, hethitische Religion mit Yazılıkaya oder die Forschungsgeschichte des DAI. Termine wählen Sie flexibel, auch außerhalb der Hauptsaison. Wenn Sie eine Reise für Ihre Gruppe oder privat planen, schreiben Sie uns über das Anfrageformular; den Preis kalkulieren wir nach Gruppengröße, Saison und Hotels.
Rundreisen mit Hattuscha
Archäologische Studienreise Türkei: von Troja bis Termessos in 14 Tagen
Istanbul – Çanakkale – Troja – Assos – Pergamon – İzmir – Sardes – Ephesus – Milet – Aphrodisias – Hierapolis – Sagalassos – Termessos – Antalya
14 Tage von Istanbul bis Antalya zu 15 antiken Stätten, von Troja und Pergamon über Ephesus und Aphrodisias bis Sagalassos und Termessos – mit Fachreiseleitung.
Hethiter und Anatolische Zivilisationen: Studienreise ab Ankara in 8 Tagen
Ankara – Gordion – Hattuscha – Alacahöyük – Kültepe – Kappadokien – Konya – Çatalhöyük
8 Tage ab Ankara zu Hethitern, Phrygern und den ersten Städten Anatoliens: Hattuscha, Yazılıkaya, Gordion, Kültepe, Kappadokien und Çatalhöyük.
Häufige Fragen
Wo liegt Hattuscha und wie kommt man hin?
Hattuscha liegt am Rand des Dorfes Boğazkale in der Provinz Çorum. Von Ankara sind es rund 200 Kilometer und etwa dreieinhalb Stunden Fahrt, von Ürgüp in Kappadokien rund 240 Kilometer und etwa vier Stunden. Öffentliche Verbindungen sind umständlich, am einfachsten ist ein Mietwagen oder ein privater Fahrer.
Lohnt sich ein Tagesausflug von Ankara nach Hattuscha?
Er ist möglich, aber lang: Mit rund sieben Stunden Fahrt hin und zurück und vier bis fünf Stunden vor Ort ergibt sich ein Tag von zwölf Stunden. Angenehmer ist es, Hattuscha auf dem Weg von Ankara nach Kappadokien zu besuchen oder eine Nacht in Boğazkale, Sungurlu oder Yozgat einzuplanen.
Was ist der Vertrag von Kadesch?
So wird oft der Friedensvertrag zwischen dem hethitischen Großkönig Hattušili III. und Pharao Ramses II. genannt, geschlossen um 1259 v. Chr., einige Jahre nach der Schlacht bei Kadesch. Die hethitische Fassung wurde 1906 in Hattuscha gefunden, zwei Tafeln liegen heute in Istanbul. Eine Kupferreplik schenkte die Türkei 1970 den Vereinten Nationen in New York.
Wie viel Zeit braucht man für Hattuscha?
Für die Ruinenstadt selbst sollten Sie drei bis vier Stunden einplanen, weil das Gelände groß und hügelig ist und mit dem Auto über eine Rundstraße erschlossen wird. Yazılıkaya kostet etwa eine Stunde, das Museum in Boğazkale 45 Minuten. Mit Alacahöyük wird daraus ein voller Tag.
Kann man Hattuscha im Winter besuchen?
Ja, die Stätte ist laut Kulturministerium ganzjährig geöffnet, von Oktober bis März aber nur bis 17 Uhr. Die Region liegt auf dem anatolischen Hochland; in Çorum liegen die Nachtwerte im Januar im Mittel bei −4 °C, und Schnee ist häufig. Planen Sie im Winter mehr Fahrzeit ein und kommen Sie früh.
Wo sieht man die Funde aus Hattuscha?
Ein Teil ist im Museum von Boğazkale ausgestellt, darunter die beiden originalen Sphingen vom Sphinxtor. Viele bedeutende Stücke, etwa das Originalrelief vom Königstor und die Grabschätze aus Alacahöyük, zeigt das Museum der Anatolischen Zivilisationen in Ankara. Die Tafeln des Kadesch-Vertrags liegen in den Archäologischen Museen Istanbul.
Quellen & weiterführende Informationen
- UNESCO World Heritage Centre: Hattusha – the Hittite Capital (whc.unesco.org)
- UNESCO Memory of the World: The Hittite cuneiform tablets from Bogazköy (2001) (unesco.org)
- Türkiye Müzeleri (Kulturministerium): Çorum Boğazköy Hattuşa Archaeological Site – Öffnungszeiten und Eintritt (turkishmuseums.com)
- Türkiye Müzeleri: Çorum Boğazköy Museum (Sphinx aus Berlin seit November 2011) (turkishmuseums.com)
- Türkiye Müzeleri: Çorum Alacahöyük Archaeological Site (turkishmuseums.com)
- Türkiye Müzeleri: Çorum Alacahöyük Museum (turkishmuseums.com)
- Türkiye Müzeleri: Museum der Anatolischen Zivilisationen, Ankara (turkishmuseums.com)
- Deutsches Archäologisches Institut, e-Forschungsberichte: Boğazköy-Ḫattuša, Restaurierungen (A. Schachner) (publications.dainst.org)
- Wikipedia: Ḫattuša (Forschungsgeschichte, Stadtmauer-Rekonstruktion, Tore, Sphinx-Rückgabe) (de.wikipedia.org)
- Wikipedia: Hattusa (Ausdehnung, Aufgabe der Stadt um 1180 v. Chr.) (en.wikipedia.org)
- Wikipedia: Hittites (Chronologie, Hethitisch als älteste belegte indoeuropäische Sprache) (en.wikipedia.org)
- Wikipedia: Bedřich Hrozný (Entzifferung des Hethitischen 1915) (de.wikipedia.org)
- Wikipedia: Egyptian–Hittite peace treaty (Vertrag von Kadesch) (en.wikipedia.org)
- United Nations Gifts: Replica of Peace Treaty between Hattusilis and Ramses II (1970, Türkei) (un.org)
- Wikipedia: Yazılıkaya (Kammern A und B, Reliefs) (en.wikipedia.org)
- Wikipedia: Sapinuwa (Ortaköy, Grabungen seit 1990, Tafelfunde) (en.wikipedia.org)
- Turkey Travel Planner: Boğazkale (Hattusha) – Entfernungen und Fahrzeiten (turkeytravelplanner.com)
- Wikipedia: Çorum, Klimatabelle 1991–2020 (Quelle: Türkischer Wetterdienst MGM) (en.wikipedia.org)
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